Politik

Die Suche nach der eigenen Grenze

Angela und Julian Burkhard haben vor fünf Jahren die Alpwirtschaft Schnurrberg gepachtet. Das erste Jahr wurde zur Zerreissprobe. Heute blicken sie mit Stolz zurück und haben ihr Glück gefunden.

Die Suche nach der eigenen Grenze

Die Strasse schlängelt sich steil den Schnurrberg hoch. Es regnet in Strömen, kleine Wasserläufe suchen sich ihren Weg durch den Schotterweg. Vor der Alpwirtschaft Schnurrberg wachen zwei rote Traktoren wie englische Gardisten neben dem Eingang zum Event-Alpstall. Drinnen sitzen Julian und Angela Burkhard am Tisch. Der einjährige Leroy spielt auf dem Boden. Angela sagt: «Wir haben hier oben unser Glück gefunden.»

Zerreissprobe als Paar

Vor fünf Jahren sind Angela und Julian Burkhard auf den Schnurrberg gekommen. Angela kam im ersten Jahr an ihre Belastungsgrenze: «Ich konnte nicht mehr richtig atmen und sagte mir jeden Abend: Das mache ich kein Jahr.»
Die gelernte Bäckerin führte das Restaurant ganz allein. Die 33-Jährige war Köchin, Tellerwäscherin, Servicekraft und Geschäftsführerin in Personalunion, während Julian in Aarau seine Ausbildung zum Bauführer abschloss. Julian und Angela gerieten ein ums andere Mal aneinander, der Streit wurde persönlich. «Irgendwann kam ich an den Punkt, zu sagen: Ab jetzt sind wir nur Geschäftspartner», sagt Julian Burkhard. Diese Trennung zwischen Privatem und Geschäftlichem half ihnen durch diese schwierige Zeit.

Eigene Hochzeit auf der Alp

Das zweite Jahr brachte erste Entlastung. Julian war nun häufiger auf dem Hof. Sie konnten Personal einstellen, die Familie half, wo es ging. «Es hat zwei Jahre gedauert, bis ich hier oben angekommen bin», sagt Julian Burkhard. Sie bauten einen Stall zum Event-Stall um, die Toilettenanlage wurde renoviert. Sie experimentierten mit Getreide und wurden zur Event-Alp. Geburtstage, Hochzeiten und Firmenanlässe wurden auf dem Schnurrberg gefeiert. Auch die eigene Hochzeit stieg 2013 auf ihrer Alp.

Das Paar wird eine Familie

Spätestens seit letztem Mai, als Sohn Leroy zur Welt kam, hat sich ihre Welt vollständig auf den Kleinen ausgerichtet. Die Burkhards machen ihr Restaurant seitdem am Abend zu. Es war ein schwieriger Entscheid für die beiden. «Wir verstehen, dass es manche Gäste ärgert, aber für uns war es das einzig Richtige», sagt Angela. So bekommen die Burkhards den Kopf frei für alles, was noch kommt. Mit unbändigem Ehrgeiz sind die drei unterwegs entlang der eigenen Grenzen. (Malte Aeberli)

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