Die Qual der Kleiderwahl
Mit den steigenden Temperaturen treffen auch die ersten Hochzeitseinladungen in den Briefkästen ein. Den meisten Frauen schiesst bei diesem Anblick mindestens einer von drei Gedanken durch den Kopf: 1. Werde ich jemals heiraten? 2. Wer will schon heiraten? 3. Was werde ich anziehen? Während die ersten beiden Fragen zweifellos längere philosophische Diskussionen nach sich ziehen können, sollte es möglich sein, die dritte innert nützlicher Frist zu beantworten.
In meinem Schrank gibt es nicht viele Optionen. Ich besitze zwei elegante Kleider, auf die ich zurückgreifen kann. Je nach dem, wer heiratet, und ob ich eines davon zu einem Fest in diesem Freundeskreis schon getragen habe, wähle ich aus. Wenn immer möglich, trage ich meinen Favoriten: ein bodenlanges, knallrotes Kleid.
Meine Arbeitskollegin belehrte mich jedoch eines Besseren, so einfach sei das nicht. Sie, die im Sommer an zwei Hochzeiten als Gast teilnehmen wird, erhielt von der einen Braut spezifische Hinweise, wie sie sich zu kleiden hat. Kein rot (warum nicht?!?), keine hellen Farben, nicht zu knallig, kein gold, nicht zu sexy… Kurzum, die Braut wollte das Kleid im Vorfeld sehen, um es abzusegnen. Interessant dabei: Auf der Einladung war ein bestimmter Dresscode mit keinem Wort vermerkt.
Angaben wie «Wir bitten um festliche Kleidung» oder «Um Erscheinen in Frack und langer Abendrobe wird gebeten» wären Anhaltspunkte, mit denen Mann und Frau beim Lesen der Einladung etwas anfangen können. Bei «Alle sollen sich wohl fühlen – daher empfangen wir euch gerne in lässiger und bequemer Kleidung» wird es jedoch schon schwieriger. In Jeans und T-Shirt beim Gruppenfoto neben der Braut posieren?
Als Frau gibt es einen wichtigen Grundsatz: keine Weisstöne. Wer sich unsicher fühlt, soll einfach beim Brautpaar nachfragen. Aber als Brautpaar die Garderobe der Gäste bewusst und einzeln kontrollieren zu wollen, ist für mich ein absolutes No-Go. Es ist wohl die Angst jeder Braut, dass ihr von einem Gast die Show gestohlen wird. Ich glaube jedoch, das ist keine Frage der Kleidung. Das ist eine Frage der Gästeliste.
