Vor dem Zürcher Obergericht erschien der Kosovo-Albaner hinkend und an Krücken und legte am Prozess vor ein paar Tagen demonstrativ seinen linken Fuss auf einen Stuhl. Ein völlig anderes Bild schilderten die Untersuchungen eines Privatdetektivs, der den heute 59-jährigen Ex-Chauffeur 2011 im Auftrag einer Versicherung längere Zeit beobachtet hatte. Fotos bewiesen, dass der angeblich zu 100 Prozent arbeitsunfähige Mann, der Invalidengelder bezog, ohne weiteres in der Lage war, ohne Krücken zu gehen und längere Zeit mit seinem Hund zu spazieren. Zudem hatte er anstrengende Handwerksarbeiten an seinem Wohnhaus vorgenommen und Einkäufe erledigt.
Die Staatsanwaltschaft ging deshalb von einem gewerbsmässigen Betrug von Invalidengeldern aus. Der in der Anklage aufgerechnete Schaden, der durch Bezüge zwischen Februar 2009 und Oktober 2012 entstand, wurde mit über 227'000 Franken angegeben.
Diebstähle fingiert
Die geschädigte Versicherung war übrigens nicht aufgrund der Invalidengelder auf den Kosovo-Albaner aufmerksam geworden. Sie wurde misstrauisch, da der frühere Bauarbeiter zwischen 2008 und 2010 gleich drei Einbrüche in sein Einfamilienhaus in Rüti gemeldet hatte.
Beim ersten Einbruch machte er geltend, dass ihm die unbekannte Täterschaft 8000 Franken und Gegenstände für über 30'000 Franken gestohlen habe. Worauf ihm die Versicherung eine Leistung von 26'394 Franken ausbezahlte. Nur ein Jahr später kam es zum zweiten Fall, worauf ihm die Versicherung weitere 19'200 Franken überwies. Als es 2010 zum dritten Einbruch kam, zahlte die Geschädigte nichts mehr aus. Die Untersuchungsbehörden gingen davon aus, dass der Beschuldigte alle Einbrüche selber verübt hatte, um Versicherungsleistungen abzusahnen.
