Über dem Pfäffikersee wird geschossen
Die Militärflugzeuge sind zurück über dem Pfäffikersee. Bereits heute Freitag kreisen sie zwischen 9 und 10 Uhr zu Übungszwecken über der Region. Auch geschossen wird wie anno dazumal. Und zwar auf die Ziele, die bereits in den 1930er-Jahren fest im See verankert wurden.
Zuletzt fanden 1973 Schiessübungen über dem Pfäffikersee statt. Der Seegräbner Ueli Jucker war damals schon dabei. Schon früher habe er die Schüsse gezählt. Darum werde er sich auch die heutige Übung nicht entgehen lassen.
Während sich andere über die Einschränkungen ärgern, die mit der Übung einher gehen, bleibt Jucker selbst gelassen. «Irgendwo muss das Militär halt seine Flugzeuge testen.»
600 WK-Soldaten im Einsatz
Konkret werden heute die vier in Meiringen stationierten FA-18 sowie einige F-5-Tiger zu sehen – und vor allem auch zu hören – sein. Die Bevölkerung wird angehalten, See und gewisse Teile des Seewegs nicht zu benützen. Ausserdem gilt für den ganzen Tag ein Fischereiverbot am See.
«Es ist ja noch früh im Jahr und ausserdem ein Arbeitstag. Wir haben uns Mühe gegeben, dass möglichst wenige Leute betroffen sind», sagt Kurt Knechtli vom zuständigen Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerung und Sport (VBS).
Weil das Schiessen sehr kurzfristig zustande kam, werden rund 600 WK-Soldaten den See rundherum absichern. So könne sicher gestellt werden, dass sich niemand in unmittelbarer Nähe der Ziele aufhalte. Die Piloten seien zwar top ausgebildet und er würde seine Hand ins Feuer legen, dass sie ihre Ziele nicht verfehlen, so Knechtli. «Aber sicher ist sicher.»
Dass der Pfäffikersee nach so langer Zeit als Übungsfeld für die Armee reaktiviert wird, hat seine Gründe. Hauptsächlich den, dass auf der Axalp ob Brienz nicht mehr geschossen werden darf. Auf dem höchst gelegenen Flugschiessplatz Europas fanden Biologen jüngst Anzeichen für das Vorkommen eines kleinen so genannten «Juan Fernàndez Sandelbaums». Diesen halbparasitären Baum, der eine Höhe von bis zu neun Metern erreichen kann, hielt man seit Anfang des 20. Jahrhunderts für ausgestorben.
Entscheid des Bundesgerichts
Per Blitzentscheid hat das Bundesgericht darum Anfang dieser Woche die Schiessübungen auf der Axalp verboten und dafür für den Pfäffikersee die vorerst provisorische Erlaubnis erteilt, dass wieder geschossen werden darf. «Ob der Betrieb dauerhaft aufgenommen wird, muss in einem separaten Verfahren entschieden werden», erklärt Knechtli.
Anwohner wehren sich
Die Armee erwartet heute trotz der relativ spontanen Ankündigung mehrere Tausend Besucher rund um den Pfäffikersee.
Aber: Nicht alle haben aber Freude, dass die Armee an den Pfäffikersee zurück kehrt. So hat sich eine Anwohnergruppe aus Seegräben formiert, die gegen den superprovisorischen Bundesgerichts-Entscheid ankämpft. Denn so ungefährlich, wie die Armee es darstellt, sind die Übungen wohl nicht. Mehrfach kam es in der Vergangenheit zu Unfällen. 1939 sowie 1941 kamen Piloten bei Abstürzen ums Leben. Erst vor wenigen Wochen wurde für die letzte Tragödie vor 75 Jahren im Weiler Ruetschberg ein Gedenkstein eingeweiht.
Anwohner Renzo Parmigiano sorgt sich vor einer Wiederholung eines solchen. Parmigiano sagt, er und die anderen Anwohner würden nun alle Rekursmöglichkeiten ausschöpfen.
Eine Petition kursiert, nun arbeitet der promovierte Jurist an der Ausarbeitung eines Rekurses. Für das für heute angekündigte Schiessen über dem Pfäffikersee dürfte der Widerstand aus der Bevölkerung aber wohl zu spät kommen. (Ruedi Moser)

