Politik

Roger de Weck rauchte die mediale Friedenspfeife

SRG-Chef Roger de Weck forderte in einer Rede vor Ustermer Gewerblern mehr Kooperation in der kleinen Schweizer Medienlandschaft, und er verteidigte vehement das öffentlich-rechtliche System.

Roger de Weck rauchte die mediale Friedenspfeife

Er kam, sprach und überzeugte. Das ist keineswegs selbstverständlich, handelte es sich beim Redner des Top-Anlass des Wirtschaftsforums Uster (WFU) am Dienstagabend doch um den Vorsteher einer Organisation, die primär mit öffentlich-rechtlichen Geldern wirtschaftet. Manch einer der rund 300 regionalen Unternehmer dürfte deshalb die Rede von Roger de Weck, Generaldirektor der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR), mit Argwohn erwartet haben.

Unter dem Titel «Der Medienplatz Schweiz im radikalen Wandel» hielt de Weck im Stadthofsaal einerseits eine Überzeugungsrede für das öffentlich-­rechtliche System des Schweizer Radios und Fernsehens. Auf der anderen Seite sprach er sich für Kooperationen auf dem Medienplatz Schweiz aus.

Feld nicht Google und Facebook überlassen

Dabei referierte er natürlich auch über die geplante und von privater Verlegerseite seit Monaten harsch kritisierte Werbeallianz zwischen SRG SSR, Swisscom und Ringier. De Wecks Argument dafür war simpel: Man dürfe Internet-Giganten wie Google und Facebook nicht kampflos die Schweizer Werbegelder überlassen.

Dass die privaten Verlagshäuser aufgrund der Werbeallianz unter anderem befürchten, dass eine übergrosse, durch direkte Abgaben finanzierte Konkurrenz ihre eigenen Online-Auftritte untergrabe, war de Weck jedoch kein Wort wert. Er, der frei, eloquent und mitunter in der Tonalität eines Pfarrers sprach, zog die grossen Striche auf der medialen Landkarte. «Der traditionelle Krieg zwischen privaten Verlagshäusern und der SRG SSR nützt in der Globalisierung der Medien niemandem.»

Kein staatliches Fernsehen à la ProSieben

Bezüglich seines eigenen Unternehmens wurde de Weck nicht müde, aufzuzählen, unter welchen Zwängen die SRG SSR stehe und wie gut man unter diesen Umständen unterwegs sei. Dabei müsse das Schweizer Radio und Fernsehen weiterhin mit öffentlichen Geldern finanziert werden, so de Weck. Die Argumente dafür sind bekannt: Wenig Zuschauerpotenzial, Mehrsprachigkeit als Kostenfaktor, Auftrag als meinungsbildendes Medium im demokratischen System.

«Qualitativ gute Sendungen sind teuer. Ich glaube nicht, dass wir ein staatliches Fernsehen wollen, das sich auf dem Boulevard-Niveau eines Senders wie ProSieben bewegt.» In den USA würden Medien immer häufiger auf teure Ausland-Korrespondenten verzichten, was De Weck zur etwas gewagten Schlussforderung führte, dass nur dies Präsident George W. Bush ermöglicht hätte, in den Irak-Krieg zu ziehen. Dem Amerikaner würde so die Komplexität der Welt vorenthalten.

Verbreitetes Kopfnicken im Publikum und ein herzlicher Dank der WFU-Präsidentin Ursula Mengelt zum Schluss bezeugten, dass de Weck das Image des Schweizer Radios und Fernsehens an diesem Abend aufpoliert hatte. (Andreas Leisi)

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