Pfäffikons neue Beratungsstelle für Junge: Überleben im Ämterdschungel
Der nächste Schritt
Beratung für junge Erwachsene: Nicht nur notwendig, sondern auch Präventionsarbeit. Der psychologische Berater erklärt wieso.
«Mit einer einfachen Beratung in Krisen, ergründet man auch die Schwierigkeiten im Hintergrund, die bewältigt werden müssen», sagt Roni Fruman. Er ist Leiter der neuen Beratungsstelle für Jugendliche und junge Erwachsene in Pfäffikon, die es seit dem 1. November gibt. «Das ist Präventionsarbeit, die langfristig das System entlastet.»
Fruman arbeitet seit 26 Jahren als Sozialpädagoge, ist Kunsttherapeut und hat ein Master in psychologischer Beratung. Seit er die Beratungsstelle führt, sind regelmässig junge Erwachsene bei ihm: Sie haben Fragen zu Lehrabbrüchen, Betreibungen oder sonstige Schwierigkeiten im Ämterdschungel.
Problemkinder gibt es nicht. Sondern junge Erwachsene, die den nächsten Schritt wagen wollen.
Roni Fruman, Sozialpädagoge und psychologischer Berater
Das Ziel der Beratung ist, junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren, die keinen optimalen Ansprechpartner zur Seite haben, aufzufangen. Sozusagen jemandem aus dem System für das Überleben im System. Das Angebot ist kostenlos und freiwillig. So soll die Beratung zu jeder Zeit in einem konstruktiven Kontext geführt werden.
Konstruktiv? Paradigmenwechsel beginnt bei der Kommunikation. «Diese Stelle soll eine positive Entwicklung unterstützen. ‹Problemkinder› gibt es nicht, sondern junge Menschen, die den nächsten Schritt wagen wollen und keine passende Strategie dazu haben.» Der nächste Schritt, so heisst auch seine Beratungsstelle: NEXTSTEP.
Die Beratungsstelle ist ein dreijähriges Pilotprojekt des Zweckverbandes Soziales im Bezirk Pfäffikon. Das Angebot steht dem ganzen Bezirk Pfäffikon zur Verfügung. Es ersetzt die Jugendberatung, die bis Juni 2020 von den Kirchengemeinden geführt wurde. Zwischendurch gab es für junge Erwachsene kein Angebot.
Das jetzige Projekt ist Teil des Sozialdienstes und befindet sich an der Sophie-Guyer-Strasse 9 in Pfäffikon. Das Pilotprojekt kostet 360 000 Franken. Die Gemeinde Pfäffikon beteiligt sich mit 81 000 Franken, dieser Kredit wurde von den Pfäffiker Stimmberechtigten im letzten Jahr bewilligt.
Vernetzung ist das A und O
«Laut Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) ist der Unterstützungsbedarf bei jungen Erwachsenen in den letzten Jahren gestiegen», betont Fruman. Die Gründe dafür sind vielschichtig und hängen vielfach mit der gesellschaftlichen Entwicklung zusammen.
Die Beratungsstelle gestaltet sich nicht nur als Anlaufstelle für Jugendliche, sondern auch für andere Institutionen: die Kesb, das Kinder- und Jugendhilfezentrum Pfäffikon (Kjz), die IV oder unter Umständen sogar die Kapo können junge Erwachsene an Fruman vermitteln.
Es braucht eine weitreichende Vernetzung, um das Angebot überhaupt etablieren zu können. «Über die Erreichbarkeit mache ich mir schon Gedanken», gesteht er. Denn die Beratung floriert erst, wenn sie wirklich genutzt wird. Dafür muss die Stelle im institutionellen Zusammenhang präsent sein, wie auch im gesellschaftlichen.
Vor allem für die, die zwar Hilfe benötigen, aber noch nicht so auffällig geworden sind, dass sie von einer Institution vermittelt werden könnten. Fruman spricht von einer Dunkelziffer von jungen Erwachsenen, die übersehen werden und dann langfristig zu kämpfen haben. Dass sich schon junge Erwachsene aus eigenen Stücken gemeldet hätten, sei darum besonders erfreulich.
Die Region formt das Angebot
Vorerst wird die Beratungsstelle drei Jahre betrieben. Danach wird in den Gemeinden entschieden, ob das Angebot bestehen bleibt oder nicht. Dazu sollen verschiedene Werte ausschlaggebend sein. Aber wie sehen die aus? Wie misst man den Erfolg einer solchen Beratungsstelle?
«Das erste Jahr wird der Bedarfsanalyse dienen», erklärt Fruman. Das heisst, es werde ausgewertet, welche Gruppen von diesem Angebot profitieren und welche Methoden bei ihnen angewendet werden.
In dieser Zeit wird sich auch zeigen, was von der Stelle übernommen werden kann und wo die Grenzen liegen. Der Kontakt zu anderen Institutionen hat bereits Zusammenkünfte ergeben, mit denen der psychologische Berater nicht gerechnet hat, wie etwa mit Asylsuchenden.
Doch Schritt für Schritt solle sich herauskristallisieren, wie das Angebot Sinn mache. «Das Angebot wird mit den Bedürfnissen der Region wachsen.»