Pfäffikon stimmt laut gegen Windräder
Gemeindeversammlung im Chesselhuus
Es wurde viel diskutiert, es wurde laut, doch das Resultat überrascht niemanden. Die Initiative, die den Abstand von 2000 Metern fordert, wurde in Pfäffikon angenommen.
Laut wehrten sich die Pfäffikerinnen und Pfäffiker gegen Windkraftanlagen auf ihrem Gemeindegebiet. An der Gemeindeversammlung im Chesselhuus wurde am Montagabend diskutiert, geklatscht und gemurrt – sowie mehrere Redebeschränkungen beantragt.
Gemeindepräsident Marco Hirzel (parteilos) forderte die 331 Stimmberechtigten mehrmals dazu auf, ihre Politik ausschliesslich mit ihrem Votum auszudrücken. Vergebens. Was sonst erhitzt die Gemüter im Oberland so wie Windräder?
Abgestimmt wurde über die Initiative zum Abstand von Windkraftanlagen, die von Stimmbürger Ueli Löffel eingereicht worden war. Diese besagt, dass ein Windrad nicht näher als 2000 Meter zu Wohnliegenschaften errichtet werden darf – der bisher grösste geforderte Abstand im Oberland. Dass die Initiative angenommen wurde, war keine Überraschung.
Noch sind zu viele Fragen offen
Der Gemeinderat hatte aus juristischen Gründen eine Ablehnung der gültigen Initiative beantragt. Die Initiative wurde mit 221 zu 105 Stimmen angenommen. Der Gemeinde fehle die Kompetenz, über die Umsetzung des kantonalen Richtplans zu bestimmen, erklärte Lukas Steudler (FDP), Gemeinderat im Ressort Bau und Umwelt.
Die Initiative verfolge das Ziel, die Windkraftanlagen ganz aus der Gemeinde zu verbannen, dies sei jedoch nicht der Weg, meinte Steudler. Ausserdem seien die Pläne des Kantons noch nicht konkretisiert worden. Ein Einschreiten wäre daher entschieden zu früh, erklärte er weiter. Es ginge nicht um ein Ja oder Nein für Windräder, sondern um die rechtlichen Möglichkeiten.
Die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission (RGPK) unterstützte den Antrag des Gemeinderats. «Noch sind zu viele Fragen offen, um dagegen vorzugehen», sagte Daniel Sigrist, Präsident der RGPK. Ebenfalls unterstützt, aus denselben Gründen, wurde der Antrag von der SP, der FDP, den Grünen und der EVP. Nicht aber von der SVP. Auch nicht von den Stimmberechtigten.
Die Weichen sind jedoch gestellt
Für Initiant Löffel ist die Initiative mehr als ein blosser Versuch, den Windrädern entgegenzuwirken. Das Resultat der Abstimmung sollte die Weichen für das weitere Vorgehen stellen. Würde der Mindestabstand nicht angenommen werden, so würde Pfäffikon als windradfreundlich gelten, und schon bald stünden noch mehr Windräder in Pfäffikon als überhaupt geplant, befürchtete Löffel.
Als die Anwesenden aufgefordert wurden, ihre Meinung kundzugeben, liessen sich diese nicht zweimal bitten. Vertreter von Parteien und Private traten ans Mikrofon und sprachen sich aus. Es ging um die Wirtschaft, die Ineffizienz von Windrädern, um Vögel, viel um Betonabfall im Wald und noch mehr um die Widersprüchlichkeit der Zürcher Baudirektion.
Denn Hermatswil wurde von ihr als Potenzialgebiet für Windräder festgelegt. Gleichzeitig ist die Pfäffiker Aussenwacht aber im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) und von nationaler Bedeutung.
Aus diesem Grund solle es für Hermatswilerinnen und Hermatswiler schier unmöglich sein, eine Baubewilligung zu erhalten, hiess es mehrmals im Saal. Sogar eine Photovoltaikanlage zu installieren, sei ein unendlicher Hindernislauf. Doch für Windräder soll es Platz haben? Ein Widerspruch, wie einige der Anwesenden meinten, und für viele Stimmberechtigten unverständlich.
Bis zur nächsten Gemeindeversammlung …
Die vielen Meinungen verzögerten die Abstimmung bis kurz vor 22 Uhr. Die Votantinnen und Votanten waren bereits ungeduldig, unruhig, verlangten, dass es endlich zur Abstimmung komme. Diese wurde nach dem Ausschlussprinzip geführt: Wer stimmt gegen die Initiative, wer stimmt für den Antrag des Gemeinderats?
Die angenommene Initiative ist zwar formell gültig, kann aber so nicht umgesetzt werden. Der Gemeinderat muss daher im nächsten Schritt eine Vorlage erarbeiten, die dann an einer weiteren Gemeindeversammlung verabschiedet werden muss.
Gemeindepräsident Hirzel schloss die Versammlung mit der Bitte, an der nächsten Versammlung ebenfalls so vollzählig und aktiv zu erscheinen – mit etwas mehr Politik und ohne Beifall.
Zum Schulhausumzug
Das erste Geschäft auf der Traktandenliste handelte vom Umzug des Schulhauses Sandgrueb auf das Areal Pfaffberg. 2021 wurde dafür ein Kredit von 1,8 Millionen Franken für die Umsetzung genehmigt. Das Projekt wurde realisiert und sogar mit 248’713 Franken unterschritten. Die Abrechnung wurde einstimmig genehmigt.