Gesellschaft

Pfäffiker Samichlaus besucht Kinder in ihren Stuben

Seit Jahren koordiniert Hans Knöpfel die Besuche von Samichlaus und Schmutzli in Pfäffikon. Was er selber als Samichlaus erlebt hat, erzählt er hier.

Der Esel ist nur beim Auftritt am Wienachtsmärt dabei.

Foto: PD

Pfäffiker Samichlaus besucht Kinder in ihren Stuben

Sänger als Samichlaus und Schmutzli

Roter Mantel, weisser Bart und ein goldenes Buch: So steht am Freitag der Samichlaus in zahlreichen Stuben vor den Kindern. Bis es so weit ist, ist viel Organisation nötig, wie der Oberchlaus erzählt.

«Mann nennt mich Oberchlaus. Auf den Titel bestehe ich», sagt Hans Knöpfel lachend. Seit acht Jahren koordiniert der 75-Jährige die Hausbesuche von Samichlaus und Schmutzli in Pfäffikon. Bereits seit über 70 Jahren übernehmen vor allem Sänger des Männerchors Pfäffikon diese Aufgabe, unterstützt von externen Helfern, wenn nötig.

«Sänger sind grundsätzlich gesellige und aufgestellte Menschen. Bei den Gesangsproben erkenne ich, wer sich speziell für den Job als Samichlaus oder Schmutzli eignet», erklärt Knöpfel, der selbst viele Jahre als Samichlaus in den Stuben der Region unterwegs war.

Ihren ersten Auftritt haben Samichlaus, Schmutzli und Esel traditionell am Pfäffiker Wienachtsmärt, wie auch am vergangenen Samstag zwischen 13.30 und 17 Uhr. «Die Kinder kommen spontan vorbei und tragen Verse oder ein Lied vor», berichtet Knöpfel. Zur Belohnung gibt es Nüsse und Süssigkeiten.

Morgen sind drei Teams unterwegs

Am vergangenen Sonntag starteten die ersten Hausbesuche. Die Sänger, verkleidet als Samichlaus und Schmutzli, standen in 16 Stuben. Zwei Teams waren im Einsatz, bestehend aus jeweils einem Samichlaus und einem Schmutzli. Morgen werden drei Teams 19 Haushalte besuchen. Ein Team schafft zwischen 16.30 und 20 Uhr bis zu acht Besuche, oft mit mehreren Familien pro Stube.

Mann vor Tür
"Ich bin der Oberchlaus", betont Hans Knöpfel. Seit acht Jahren organisiert er die Auftritte des Samichlauses in Pfäffikon.

«Ab Sommer beginnt die Organisation. Alles wird genau durchgetaktet. Das wird nichts dem Zufall überlassen», berichtet Knöpfel, der früher bei der Schweizerischen Post als Verkaufsleiter Geschäftskunden tätig war.

Ein Inserat im Herbst gibt den Startschuss. Danach melden sich Familien online für die Samichlausaktion des Männerchors Pfäffikon an. Die Eltern füllen dabei Fragebögen aus, in denen sie angeben, wofür ihre Kinder Lob verdienen oder was der Samichlaus verbessern ansprechen soll.

Etwa zwei Wochen vor dem eigentlichen Besuch treffen sich die Samichläuse mit den Eltern vor Ort – natürlich ohne die Kinder. Dabei werden letzte Details besprochen, wie die Übergabe der Geschenke, die der Samichlaus später aus seinem Sack holt. Auch die Gegebenheiten der Stube werden geprüft. Knöpfel nennt diesen Vorgang «Vorchlausen».

«Der Samichlaus ist ein lieber Mann, der gerne auf die Kinder eingeht und Vertrauen ausstrahlt. So treten wir auf», erzählt Hans Knöpfel. Der erhobenen Zeigefinger und Angstmacherei, wie es früher noch üblich war, seien passé. Auch der Schmutzli habe keine schwarz geschminkte Gesichter mehr und sei ohne Fitze unterwegs.

Samichlaus mit KInd
Am Wienachtsmärt können Kinder den Samichlaus spontan besuchen.

Hans Knöpfel hat in einem internen Merkblatt festgehalten, was einen idealen Samichlaus ausmacht. Dieser sollte pünktlich und organisiert sein, über gute Umgangsformen verfügen und bei den Gesprächen die Führung übernehmen. Tabu sind hingegen das Aufnehmen der Kinder auf den Schoss, angstmachende Auftritte oder ein Erscheinen mit Alkoholfahne.

Neue Ideen gefragt

Was hat Hans Knöpfel als Samichlaus erlebt? Einst sei er arg ins Schwitzen gekommen, weil er den von den Eltern ausgefüllten Fragebogen in seinem grossen goldenen Buch nicht mehr gefunden habe. «Ich musste improvisieren, was nicht gut angekommen ist.» Und einst sei der von einem Familienhund wild bellend angesprungen worden. In schöner Erinnerung seien ihm die vielen schön weihnächtlich geschmückten Stuben geblieben, die er besucht habe.

Die Nachfrage nach Hausbesuchen, die 40 Franken kosten, ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Vor acht Jahren wurden noch rund 100 Besuche verzeichnet, dieses Jahr sind es weniger als die Hälfte. «Vielleicht konkurrenzieren wir uns selber mit dem öffentlichen Auftritt am Wienachtsmärt. Zudem haben sich die gesellschaftlichen Werte verschoben. Viele Eltern halten nichts mehr vom Christkind oder dem Samichlaus», analysiert Knöpfel.

Wie sieht die Zukunft der Samichlausaktion aus? «Um die Tradition zu bewahren, braucht es neue Ideen. Diese haben wir bereits», sagt Knöpfel. Samichlaus, Schmutzli und Esel freuen sich auf weitere Einsätze in den kommenden Jahren – zur Freude der Kinder und ihrer Familien.

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