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Noch bis Oktober 2026

Ohne Urnenabstimmung: Beratungsstelle für junge Erwachsene in Pfäffikon wird aufgelöst

Die Beratungsstelle für junge Erwachsene Next Step wurde von Personen aus dem ganzen Bezirk Pfäffikon genutzt. Nun soll das Pilotprojekt nicht weitergeführt werden.

Das Angebot für junge Erwachsene im Bezirk Pfäffikon wird bald abgeschafft. (Symbolbild)

Bild: Pixabay

Ohne Urnenabstimmung: Beratungsstelle für junge Erwachsene in Pfäffikon wird aufgelöst

Noch bis Oktober 2026

Die Beratungsstelle für junge Erwachsene Next Step wurde von Personen aus dem ganzen Bezirk Pfäffikon genutzt. Nun soll das Pilotprojekt nicht weitergeführt werden.

Der Vorstand des Zweckverbands Soziales Bezirk Pfäffikon hat sich entschieden: Nach zweieinhalb Jahren wird die Beratungsstelle Next Step für junge Erwachsene nicht fortgeführt. Eigentlich sollte über das Pilotprojekt an der Urne abgestimmt werden. Doch der Vorstand hat sich gänzlich dagegen entschieden. Dies, obwohl das Projekt «als grundsätzlich positiv ausfiel», wie der Vorstand mitteilt.

Die Beratungsstelle wurde im November 2023 eingeführt und sollte drei Jahre lang als Pilotprojekt durchgeführt werden. Die Stelle richtete sich an junge Erwachsene im Bezirk Pfäffikon zwischen 18 und 25 Jahren und bot kostenlose Beratungen bei psychischen Belastungen.

Dazu gehörten beispielsweise Ausbildungsprobleme, familiäre Konflikte und Schwierigkeiten beim Übergang in die Selbständigkeit wie etwa bei der Wohnungssuche. Doch auch komplexere Themen gehörten dazu, wie etwa Suizidgefährdungen. Auslöser war primär die steigende Anzahl von Beistandschaften für junge Erwachsene. Das Angebot sollte weitergehende Massnahmen, insbesondere durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) oder die Überweisung in die Sozialhilfe, verhindern.

Was ist ein Beistand?

Eine Person erhält einen Beistand, wenn sie aufgrund einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung, psychischer Probleme oder einer ähnlichen Schwächesituation ihre Angelegenheiten nicht oder nur teilweise selbständig regeln kann. Die Beistandschaft wird von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) ernannt. (mgp)

Aus dem Projektbericht geht hervor, dass die Beratungsstelle nicht nur genutzt wurde, sondern auch geschätzt: Mehrere Gemeinden bejahten ausdrücklich die Wirksamkeit der Stelle, heisst es darin. Trotzdem gab es mehrere Gründe, wieso der Vorstand sich gegen eine Festigung des Projekts entschied.

Erstens, weil die Gemeinden gesetzlich nicht beauftragt sind, eine solche Beratungsstelle anzubieten. Zweitens, weil die Anzahl der Beistandschaften für junge Erwachsene in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Und drittens, weil der Kanton zeitgleich ein Angebot bereitgestellt hat, das sich ebenfalls an junge Erwachsene richtet – die kantonale Stelle heisst «Über18».

Rückgang der Beistandschaften

Tatsächlich verkleinerte sich die Anzahl der Beistandschaften bei Erwachsenen im Bezirk Pfäffikon im Vergleich zu 2023. Ende 2023 waren es 588 Fälle, 578 Fälle per Ende 2025. Die Beistandschaften sind seit 2021 rückläufig, was in der Region aber nur auf den Bezirk Pfäffikon zutrifft. In den Bezirken Uster, Hinwil und in der Stadt Dübendorf ist das Gegenteil der Fall, wie aus dem Bericht der Kesb-Kennzahlen des Kantons Zürich hervorgeht.

Gleichzeitig zeigt sich aus dem Jahresbericht des Sozialdienstes Bezirk Pfäffikon, dass bei den 18- bis 25-Jährigen die Anzahl der Beistandschaften leicht angestiegen ist im Gegensatz zum Vorjahr. 2025 waren es 56 Fälle mit gesetzlichen Massnahmen (wie auch in den Jahren 2022 und 2023), 2024 waren es 50 Fälle.

Der Vorstand stellte sich eine grundsätzliche Frage: Ist ein Zweckverband überhaupt der richtige Ort für ein solches Präventionsangebot? Gemäss den gesetzlichen Vorgaben sind Gemeinden verpflichtet, persönliche Hilfe anzubieten. Ein präventives Beratungsangebot für junge Erwachsene ist hingegen nicht vorgeschrieben.

Auf die Frage, wo denn nun solche Fälle aufgefangen werden sollen, verweist der Vorstand auf Angebote der Jugendarbeit in den jeweiligen Gemeinden. In Pfäffikon etwa biete das Jugendbüro jährlich rund 100 Beratungen für Minderjährige an. Der Vorstand argumentierte deshalb, dass die Gemeinden weiterhin in der Jugendarbeit aktiv seien und gewisse Probleme bereits dort aufgefangen würden.

Gleichzeitig betont er auch, dass klassische Jugendarbeit an Grenzen stösst. Zudem können schwere psychische Krisen oder Suizidalität durch Jugendtreffs oder Jugendbüros nicht aufgefangen werden. «Für ernsthaftere Fälle braucht es spezialisierte Fachstellen», sagt Lukas Weiss (Grüne), Präsident des Zweckverbands. Genau dort habe Next Step mit psychotherapeutischer Fachkompetenz angesetzt. Doch gerade diese Beratungsstelle gibt es ab Oktober eben nicht mehr.

Nutzungszahlen zu Next Step

Seit Beginn der Pilotphase wurden insgesamt 92 Fälle begleitet, davon waren 32 im Februar 2026 aktiv. Die Stelle wurde von Roni Fruman, Sozialpädagoge und psychologischer Berater, in einem Pensum von 80 Prozent betrieben. Beansprucht wurde die Stelle von Personen aus allen zehn Verbandsgemeinden des Zweckverbands Soziales Bezirk Pfäffikon (Bauma, Fehraltorf, Illnau-Effretikon, Hittnau, Lindau, Pfäffikon, Russikon, Weisslingen, Wila, Wildberg).

Am meisten wurde der Dienst von Personen aus Pfäffikon und Illnau-Effretikon genutzt. Aus Pfäffikon waren es 30 Personen, aus Illnau-Effretikon 22. Die Beratungsstelle ist freiwillig. So wurde sie auch beinahe durch die Hälfte der Betroffenen selbst aufgesucht. Jedoch gab es auch Zuweisungen von den Gemeinden (23 Fälle), von der Kesb (11 Fälle) oder gar von der Kantonspolizei (ein Fall). Die Fälle beschränkten sich nicht nur auf junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren. Solche, jünger oder älter als die ursprünglich definierte Zielgruppe (bis zum 30. Lebensjahr), wurden nicht abgewiesen und machten etwa 18 Prozent aus. (mgp)

Der Vorstand verweist auf die kantonale Stelle Über18, ebenfalls ein niederschwelliges Angebot für junge Erwachsene. Der Schwerpunkt liegt bei Auskünften, Vermittlung und kurzen Beratungen. Die kantonale Stelle spricht dieselbe Zielgruppe an. Wie sich das Angebot von Über18 zu Next Step unterscheidet, konnte die kantonale Stelle auf Anfrage nicht benennen.

Im Projektbericht der Stelle aus Pfäffikon steht, dass es «aus Kapazitätsgründen auch bereits zu Überweisungen von Über18 an die Beratungsstelle junge Erwachsene kam». Dies konnte die kantonale Stelle nicht bestätigen. Der Vorstand schreibt dazu, dass es nicht um formelle Überweisungen handelte, da beide Angebote niederschwellig und freiwillig sind. Er setzt auf die kantonale Stelle, dass diese auch die jungen Erwachsenen im Bezirk Pfäffikon auffangen kann.

Eine Frage des Gelds?

Was ausserdem eine Rolle bei der Entscheidung spielt, sind die Finanzen. Gesamthaft wurden für das Projekt über drei Jahre 425’000 Franken bewilligt, rund 140’000 Franken pro Jahr, was auch die Fortsetzung jährlich gekostet hätte. Die Gemeinde Pfäffikon trug davon rund 30’000 Franken pro Jahr. Die Stadt Illnau-Effretikon strich im Rahmen ihres Sparpakets 2025 ihren Beitrag von 40’000 Franken für die kommenden Jahre aus ihrem Budget.

Der Vorstand zweifelt daran, dass sich das Projekt rentiert. Er vermutet, dass die Ausgaben für die Beratungsstelle grösser sein könnten als das, was man präventiv einsparen könnte. Er stellte sich also die Frage: Rentiert sich diese Investition überhaupt? Eine Berechnung führte der Vorstand nicht durch. «Diese Fälle sind zu vage, um sie berechnen zu können», sagt Weiss. «Es fehlen verlässliche Vergleichswerte, eine Berechnung wäre daher unseriös.»

Dass Investitionen zu präventiven Massnahmen auch langfristig Kosten einsparen können, weiss Brigitte Röösli (SP). Sie ist Stadträtin in Illnau-Effretikon im Ressort Gesellschaft. Bereits am Wahlpodium im vergangenen Februar erklärte sie, wie die Stadt mit zusätzlichen Stellen bei der Sozialhilfe die Kosten in den letzten zehn Jahren auf 2 Millionen Franken halbieren konnte.

Fehlt nach der Abschaffung ein präventives Angebot in Illnau-Effretikon? Nein. «Prävention und Unterstützung sind wichtige Aspekte in der Stadt, die wir nicht vernachlässigen», sagt Röösli, die zudem Mitglied des Vorstands des Zweckverbands ist, aber als Stadträtin antwortet. Mit den Bereichen Soziokultur und Sozialberatung sei eine niederschwellige Anlaufstelle gewährleistet. «Aber Prävention beginnt schon viel früher, wie etwa bei Kindern im Schulalter, weswegen ich vermehrt dort ansetzen möchte.» Die Stadträtin verweist ebenso auf die kantonale Stelle Über18: «Wäre dies nicht zeitgleich aufgegleist worden, wäre die Situation vielleicht anders.» Der Vorteil gegenüber der Beratungsstelle in Pfäffikon sei, dass bei Über18 mehrere Personen arbeiten, was mehr Kompatibilität für die Hilfesuchenden bedeutet. Einen deutlichen Mehrwert habe Next Step nicht generiert: «Das Angebot wurde meiner Meinung nach zu wenig genutzt.»

Ganz abgeschlossen scheint das Thema dennoch nicht zu sein. «Wir haben den Versuch gestartet, und er hat funktioniert», sagt Vorstandspräsident Weiss. «Vielleicht kommt man später wieder darauf zurück.»

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