Oberländer Talente als Puzzleteile
Es ist eine erstaunliche Tatsache. Mit vier Langläuferinnen und Langläufern stellt der SC am Bachtel (SCAB) seit dieser Saison die stärkste Fraktion im C-Kader von Swiss Ski. «Das zeigt, wie auch Klubs aus dem Flachland gute Arbeit leisten», sagt Trainer Marco Isenschmid vor den ersten Continentalcup-Wettkämpfen vom Wochenende in Ulrichen.
Neben Anja Weber und Nicola Wigger wurden neu die 17-jährigen David Knobel und Siri Wigger nachgezogen. Der Verein aus dem Oberland stellt damit ein Drittel des gesamten C-Kaders. «Wir betreiben eine gute Jugendförderung – das ist die Konsequenz daraus», sagte Sylvia Wigger, Langlauf-Disziplinenchefin im SCAB, dazu unlängst.
Mit Nicola und Siri gehören auch die Kinder der ehemaligen Weltcup-Läuferin und Olympiateilnehmerin zu den Hoffnungssträgern. Gerade Siri begeisterte in der letzten Saison mit ihren beiden Jugend-Olympiatiteln und zwei Einzel-Bronzemedaillen plus Staffel-Gold an der Junioren-WM. «Sie ist schon sehr weit», sagt Isenschmid.
Es sind schon fast euphorische Worte eines Verbandstrainers. Bei Nachwuchsathleten hütet man sich seit je davor, nicht allzu hohe Erwartungen zu schüren. Nur: Es ist ein offenes Geheimnis. Gerade bei den Frauen wächst derzeit eine vielversprechende nächste Schweizer Generation heran. «Siri ist ein Puzzleteil davon», sagt Isenschmid.
Bestandteil dieses Puzzles könnte bestimmt auch Anja Weber werden. Die Hinwilerin ist als begabte Grenzgängerin zwischen Triathlon und Langlauf sowieso eine Ausnahmeerscheinung. Gerade einmal zwei Wettkämpfe konnte sie dieses Jahr Corona-bedingt im Triathlon bestreiten.
Die 19-Jährige legte deshalb für einmal schon viel früher den Fokus aufs Langlaufen mit verstärktem Rollski-Training und konnte in der Saisonvorbereitung auch fast alle Termine von Swiss Ski wahrnehmen. «Ich habe mehr Schneekilometer und fühle mich stabiler», sagt sie.
Vor wegweisendem Jahr
Weber steht vor einem wegweisenden Jahr. Im nächsten Sommer beendet sie ihre kaufmännische Ausbildung und dürfte dann ihren Entscheid zwischen den Sportarten Triathlon oder Langlauf fällen müssen. Klar ist: Als Gesamterste der letzten Alpencup-Wertung innerhalb des Continentalcups wird sie erneut «vorne mitlaufen» (Isenschmid).
Das Hauptziel aller Nachwuchsathleten ist aber sowieso die von Zakopane (POL) ins finnische Vuokatti verschobene Junioren-Weltmeisterschaft von Mitte Februar 2021.
Also auch für Nicola Wigger. Nach erfolgreicher Matur ist er im Herbst nach Davos in eine WG mit Langlauf-Kollegen gezogen. Der 19-Jährige konnte seither sein Trainingsvolumen nochmals steigern und hat nun mehr Zeit für die Regeneration. «Ich habe im Kraftbereich zugelegt», sagt er und glaubt dadurch insbesondere in den Sprint-Rennen einen weiteren Schritt nach vorne tätigen zu können. Der Gibswiler will vermehrt in den Continentalcup-Bewerben in die Top 5. Dass er das Zeug dazu hat, steht auch für Trainer Isenschmid ausser Frage.
Weniger hoch sind die Erwartungen noch bei Wiggers Kollege David Knobel. Dem im sankt-gallischen Ernetschwil aufgewachsenen 17-Jährigen gelangen zwar an den Olympischen Jugendspielen in Lausanne keine Exploits wie Siri Wigger.
Er befindet sich allerdings auch noch mitten in der Ausbildung zum Elektromonteur. Isenschmid streicht hierbei das gute Verhältnis mit dem Arbeitgeber heraus, wodurch Knobel gerade in Trainingslagern das Volumen steigern konnte.
Im Kreis der Weltcup-Läufer
Beim Continentalcup-Auftakt ist neben dem Nachwuchs für einmal aufgrund der speziellen Situation auch eine Grosszahl der Elite-Langläufer vor Ort. Sie nutzen den Wettkampf als Härtetest für den nächsten Weltcup in Davos von Mitte Dezember.
Und wann ist dort mit den ersten Einsätzen von Oberländer Talenten zu rechnen? Isenschmid schliesst zwar nach einer erfolgreichen Junioren-WM eine solche Belohnung nicht aus. Im Zentrum bleiben aber die Ausbildung und gute Resultate im Continentalcup. «Dann werden Weltcup-Einsätze in der nächsten Saison zum Thema», sagt er.