Gesellschaft

Vergammelnde Velos

Nun haben Velobesitzer eine bessere Chance, ihr Gefährt zu retten

Die Stadt Dübendorf sammelt zu lange abgestellte Velos mit einer neuen Methode an den Bahnhöfen ein. Und dem Wildparkieren wollen die Behörden mit einem Bauprojekt Einhalt gebieten.

Der städtische Unterhaltsdienst räumt mehrmals im Jahr nicht benutzte Velos ab. Im Bild die Räumung beim Bahnhof Stettbach vor drei Jahren. (Archiv)

Foto: Thomas Bacher

Nun haben Velobesitzer eine bessere Chance, ihr Gefährt zu retten

Die Stadt Dübendorf sammelt Velos, die zu lang abgestellt werden, mit einer neuen Methode an den Bahnhöfen ein. Und dem Wildparkieren wollen die Behörden mit einem Bauprojekt Einhalt gebieten.

Die Stadt Dübendorf entfernt drei- oder viermal pro Jahr herrenlose Velos aus den vier Velostationen der Bahnhöfe Dübendorf und Stettbach. Erst vergangene Woche war es wieder so weit: Der Unterhaltsdienst transportierte Zweiräder ab, die schon zu lang unbenutzt vor sich hin gammelten.

Mit kleinen Zettelchen machten die Mitarbeiter aus, welche Fahrräder bereits seit einem Monat parkiert waren. Die Zettelchen wurden an alle Velos geheftet mit der Aufforderung an die Besitzer, das Papier zu entfernen. Waren die Zettelchen danach noch dran, war das für die Mitarbeiter ein klares Zeichen, dass sich niemand mehr um diese Velos kümmerte.

Gemäss Leandro Kienast, dem Projektleiter Stadtplanung, wurden in diesem Jahr an den beiden Bahnhöfen 15 bis 20 Velos entfernt.

Die Stadt lagert sie in einem Container. Sollte doch noch ein Besitzer sein Fahrrad vermissen, kann er online ein Formular ausfüllen, um es zurückzufordern. Allerdings nur, bis der Container voll ist, was laut Kienast etwa ein Jahr dauert. Danach wird das Velo der gemeinnützigen Organisation Velafrica gespendet, welche die Gefährte nach Afrika verschifft. Derzeit sind 20 Velos im Container eingelagert.

Nur rund ein Viertel der Velos sei von den Besitzern wieder bei der Stadt abgeholt worden, sagt Kienast. Diese Zahl sei dank dem neuen Markierungssystem mit den Zettelchen gesunken. Die Änderung wurde Anfang 2025 eingeführt.

Zuvor wurden lediglich unscheinbare Markierungen an der Felge angebracht, um zu sehen, ob das Velo in einer gewissen Zeit bewegt worden ist. Eine direkte Einflussnahme seitens der Besitzer sei damals nicht möglich gewesen, sagt Kienast.

Für die Stadt bringe das System eine wesentliche Entlastung. «Früher sammelten wir mehr Velos ein, mussten aber auch wieder mehr an die Besitzer zurückgeben.» Heute sei es umgekehrt.

Im Fokus sind auch die Fahrräder abseits der Unterstände. Beim Bahnhof Stettbach werden zahlreiche Velos auf den Kiesplätzen und Wiesenflächen neben dem Areal abgestellt und an Bäume gekettet. Dies geschieht wohl auch, weil kostenlose Alternativen beim Bahnhof rar sind. Denn die Velostationen der Anbieter Velocity und V-Locker sind kostenpflichtig.

Leandro Kienast kennt diese Situation. Die Stadt entferne die Velos dort nicht, sofern sie täglich benützt würden. Städtische Mitarbeiter achten bei ihren regelmässigen Arbeitseinsätzen vor Ort jedoch auf Fahrräder, die offensichtlich nicht mehr in Gebrauch sind. «Werden sie von den Besitzern längere Zeit nicht entfernt, sammelt die Stadt die Velos ebenfalls ein.»

Gewisse Fahrräder würden sich allerdings auf dem Grund der Stadt Zürich befinden. Man sei deswegen mit Zürich im Dialog.

 

Neue Veloparkplätze sollen das Wildparkieren einschränken

Derzeit wird am nördlichen Ende des Bahnhofs Stettbach die neue Passerelle gebaut. Mit dieser bekommt das Hochbord-Quartier einen besseren Zugang zum Perron. Dübendorf will in diesem neu gebauten Bereich neue Veloabstellanlagen erstellen. Der Stadtrat genehmigte dafür kürzlich einen Kredit in Höhe von 50'000 Franken für die Ausarbeitung des Projekts.

Sergio Montero, stellvertretender Leiter Tiefbau, sagt dazu: «Die Kapazitätsgrenzen bei den anderen Stationen sind erreicht.» Zudem soll damit vermieden werden, dass ÖV-Nutzer ihr Gefährt einfach irgendwo abstellen. Dies sei insbesondere entlang dem Chästrägerweg auffällig. «Wenn Leute gestresst sind und keinen Platz finden, stellen sie ihr Velo öfters dort ab.»

Wie viele Velos dereinst in den neuen Anlagen Platz finden, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Ebenso unklar ist die Höhe der Baukosten. Geplant sei, die Veloabstellanlage zusammen mit der Passerelle zu eröffnen, sagt Montero. Stand heute wird das im Herbst 2026 der Fall sein. (dam)

Visualisierung der neuen Passerelle beim Bahnhof Stettbach.
Die Visualisierung zeigt die neue Passerelle mit Lift und Treppe direkt auf das Perron des Bahnhofs Stettbach.
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