Politik

Last-Minute-Petition soll die Wetziker Bahnhofskastanie retten

Am Montag soll es der Kastanie am Bahnhof Wetzikon an den Kragen gehen. Geplant ist ein Rückschnitt, potentiell auch eine Fällung. Anhand einer Petition will der Naturschutzverein Wetzikon-Seegräben dieses Vorgehen nun kurzfristig noch verhindern.

Last-Minute-Petition soll die Wetziker Bahnhofskastanie retten

Auf dem Bahnhofsplatz Unterwetzikon steht seit über 100 Jahren eine imposante Rosskastanie. Die Stadt Wetzikon schrieb kürzlich in einer Mitteilung, dass der Baum «aufgrund der Unstabilität im Baumkronenbereich» ein Gefahrenrisiko für die Umgebung darstelle. 

Deshalb wurde ein Rückschnitt des «gesundheitlich angeschlagenen» Baums auf Montag, 13. Dezember geplant, der zwischen der SBB als Grundeigentümerin und der Stadt Wetzikon abgesprochen ist. Je nach Zustand des Baumes könne dieser auch gleich ganz gefällt werden. Beurteilt würde dies am Montag vor Ort. Für einen allfälligen Ersatz gibt es keine Garantie.

250 Unterschriften 

Dieses Vorhaben stösst dem Naturschutzverein Wetzikon-Seegräben sauer auf. Er reicht nun «aufgrund der zeitlichen Dringlichkeit» kurzfristig eine Petition für den Erhalt der Rosskastanie beim Stadtrat und der SBB als Grundeigentümerin ein. Bis am Sonntag um 17 Uhr haben sich – trotz des Feiertags – knapp 250 Unterstützende eingetragen, darunter acht Mitglieder des Grossen Gemeinderats, teilt der Verein mit.

Der Grund für die Petition: «undurchsichtiges und rechtlich nicht korrektes Vorgehen der Stadt.» Die Petitionäre schreiben: « Ohne ordentliches Verfahren wollen SBB und die Stadtverwaltung Wetzikon am Montagmorgen die allen ÖV-Benützern bekannte und geschützte Kastanie beim Bahnhof Unterwetzikon massiv zurückschneiden oder gar fällen.»

Zweifel an gesetzlicher Korrektheit

Der Baum sei im Inventar der schützenswerten Objekte enthalten und stehe auf öffentlichem Grund.  Veränderungen dürften somit nur auf Grund eines Stadtratsbeschlusses vorgenommen werden. Einzige Ausnahme wäre eine akute Gefährdung, so die Petitionäre. Weil das Gutachten über die Bahnhofkastanie aber schon vier Monate alt sei, könne eine besondere Gefahrensituation «offensichtlich nicht vorliegen».

«Die hektische Abfolge von Information der Öffentlichkeit und Massnahmendurchführung innert drei Tagen über ein Adventswochenende ist unverständlich.»

Petitionäre Naturschutzverein Wetzikon-Seegräben

Das Gutachten halte die Verwaltung seit September unter Verschluss, die Umweltkommission konnte dazu noch keine Stellung nehmen. Die von der Stadtverwaltung behauptete besondere Gefahrensituation bestehe entweder schon seit der Begutachtung von vor vier Monaten – «und dann wäre der Verzug ganz unverständlich» – oder sie bestehe nicht akut und dann sei «die hektische Abfolge von Information der Öffentlichkeit und Massnahmendurchführung innert drei Tagen über ein Adventswochenende unverständlich.»

Gleichwertiger Ersatz kaum möglich

Mit der Petition fordert der Naturschutzverein «ein rechtlich korrektes Verfahren und einen dem hohen Wert dieser Kastanie angemessenen sorgfältigen Umgang.» Konkret bedeutet das mitunter, dass die auf Montag, den 13. Dezember, vorgesehene Massnahme ist aufzuschieben und das Sachverständigengutachten über die Kastanie öffentlich zu machen sei. Zudem müsse vor einer Fällung ein Stadtratsbeschluss erfolgen, der eine Garantie für einen gleichwertigen Ersatz beinhalte. Weiter sei ein allfällig notwendiger Rückschnitt «fachgerecht und verhältnismässig auszuführen» und die Gesundheit des Baums nicht zu gefährden.

Die Petitionäre schreiben weiter, die Bahnhofskastanie sei einer der wenigen grossen Bäume, die in Wetzikon noch auf öffentlichem Grund stehen und zudem «ein identitätsstiftender Bestandteil des denkmalgeschützten Ensembles Bahnhof Unterwetzikon». Die Kastanie sei vital und weise sichtbar keine akuten Schäden auf. Eine besondere Verkehrsgefährdung liege damit nicht vor. Ein angemessener oder gleichwertiger Ersatz sei erstens kaum möglich und würde zweitens Jahrzehnte des Wachstums benötigen. (lah)

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