Aus den Boxen hallt ein Aufruf über den Fischmarktplatz in Rapperswil: «Jetzt holen wir die Treichler ab!»
Der Moment markiert den Startschuss der unbewilligten Anti-Corona-Kundgebung vom letzten Samstag, 4000 Personen laufen mit. Nach einigen Hundert Metern trifft der Umzug auf schallendes Glockengeläut. Etwa 70 Männer in weissen Kutten mit Glocken über den Schultern warten auf der Hauptstrasse. Es ist eine mächtige Inszenierung. Jubel und Geläute schallenfortan durch Rapperswils Gassen.
Sie sind laut, sie sind präsent, und sie sind viele. Die Treichler standen nicht nur am letzten Samstag in Rapperswil im Zentrum der unbewilligten Kundgebung der Massnahmenkritiker. Sie haben sich jüngst zu einer Art Maskottchen der Bewegung entwickelt. Die Veranstalter werben mit ihnen, feiern sie in den Foren. «Unsere Treichler kommen nach Lugano», heisst es zum Beispiel auf dem Flyer für eine geplante, unbewilligte Demo am 1. Mai. Darunter prangt eine Kuhglocke.
Wer sind die meist jungen Männer, die sich mit stoischem Selbstverständnis an unbewilligten Kundgebungen bewegen? Deren Glocken den Kundgebungen einen folkloristischen Sound geben?
Die Suche führt in den Kanton Schwyz. Anhaltspunkt ist das Kantonswappen, das eingestickt auf den Hirtshemden zahlreicher Treichler in Rapperswil zu sehen ist. Darunter ist oft der Schriftzug «Freiheitstrychler» zu lesen.

