Bevor sie begonnen hat, war sie schon wieder zu Ende: Die Gemeindeversammlung Greifensee musste kurz vor Beginn abgesagt werden. Gemeindepräsidentin Monika Keller (FDP) begründete vor den Stimmberechtigten diesen Entscheid mit den Worten: «Mit so einem Ansturm haben wir nicht gerechnet.» Laut ihr seien über 200 Leute zur Gemeindeversammlung angereist. Zu viel für die Räume der Reformierten Kirche und des reformierten Kirchgemeindehaus, das für eine Übertragung vorgesehen war.
«Wir können so nicht garantieren, dass alle Stimmberechtigten ihre politischen Rechte wahrnehmen können», sagte Keller. Mehr als 20 Leute fänden keinen Platz. Die Leute nahmen die Nachricht mit überraschten Gesichtern entgegen. Ein Raunen ging durch den Raum. «Was? Findet die Gemeindeversammlung jetzt gar nicht statt?», fragte ein Mann aus dem Publikum. Keller beschwichtigte: «Wir werden die Gemeindeversammlung am 19. Dezember nachholen.» Da auch an diesem Tag mit einem Ansturm gerechnet wird, werde sie wohl in der Turnhalle stattfinden. Der Ort ist aber noch nicht sicher und wird zu einem späteren Zeitpunkt kommuniziert.
Zwei umstrittene Traktanden
Grund für den grossen Publikumsaufmarsch dürften zwei Traktanden gewesen sein. Zum einen das Budget 2019 und die geforderte Steuerfusserhöhung von 77 auf 83 Prozent (wir berichteten). Die Rechungsprüfungskommission (RPK) stellte den Antrag, den Steuerfuss um drei Prozenpunkte zu erhöhen. Zum anderen dürfte die Abstimmung über den Planungskredit in der Höhe von 485‘000 Franken für die Sanierung und Erweiterung der Schulanlage Breiti für das grosse Interesse gesorgt haben.
Die RPK empfahl die Ablehnung dieses Kredits, der nötig ist, um ein Bauprojekt auszuarbeiten. Grund: Die RPK stösst sich daran, dass der Gemeinderat bereits jetzt ein Projekt definiert hat, das ein Kostenziel von 26,5 Millionen Franken aufweist. Zwar begrüsse die RPK, dass im Vorfeld Untersuchungen im Auftrag der Gemeinde durchgeführt worden seien, die eine nützliche Gesamtübersicht des Sanierungs- und Raumbedarf ergäben. Es würden aber keine Alternativen präsentiert. So müssten Stimmberechtigte, die eine sparsamere Variante bevorzugten, das gesamte Projekt frühzeitig ablehnen. Die umfassende Projektdefinition, die die Gemeinde im Vorfeld gemacht hat, verursache zudem einen hohen Finanzbedarf und werde den Steuerfuss erhöhen. Weiter bemängelte die RPK, dass die Projektdefinition Sanierungsbedarf und eine Schulraumerweiterung vermische. Die Gemeinde zieht Tagesschulen in Betracht und möchte eine neue Zweifachturnhalle schaffen. Über diese Erweiterungsabsichten habe man aber nie eine «vertiefte Debatte» mit den Greifenseer Stimmberechtigten geführt. Das wäre aber wünschenswert gewesen, weil die Erweiterungen einen Einfluss auf die Höhe des Planungskredites haben. Debattiert wird nun hoffentlich am 19. Dezember an der Gemeindeversammlung, bei der nicht weniger Leute erwartet werden, aber hoffentlich mehr Platz zur Verfügung steht.

