Züge, die von Zürich nach Winterthur fahren, müssen ein Nadelöhr passieren: Zwischen Effretikon und Winterthur-Töss gibt es nur zwei Gleise, obwohl die Strecke davor auf beiden Seiten vierspurig verläuft. Abhilfe schaffen soll der Brüttener Tunnel zwischen Bassersdorf und Dietlikon sowie Winterthur-Töss. Kostenpunkt: Schätzungsweise 2,8 Milliarden Franken. Nur etwa 400 bis 500 Millionen Franken würde ein Ausbau von zwei auf vier Spuren zwischen Effretikon und Winterthur-Töss kosten, sagt Paul Stopper.
Stopper ist kein Nobody, wenn es um die Planung von SBB-Strecken geht: Der 71-jährige Ustermer und inzwischen pensionierte ETH-Bauingenieur war von 1974 bis 1997 Projektleiter des öffentlichen Verkehrs der Stadt Zürich. In dieser Zeit war er massgeblich an der Entwicklung der sogenannten Durchmesserlinie – dem zweiten Durchgangsbahnhof von Zürich – beteiligt. Er gilt gewissermassen als «Vater» dieses Projekts. Den Brüttener Tunnel bezeichnet der Experte von nationalem Format als «Verhältnisblödsinn.» Das Problem, welches der Bau beheben soll, könne man deutlich günstiger und vor allem zweckmässiger lösen.
Mehr Gleise wurden an der Urne abgelehnt
Seit den 80er-Jahren ist der Brüttener Tunnel im Gespräch. Zeitweise war eine Realisierung zum Greifen nah: 1992 wären die ersten Bagger und Baumaschinen fast schon aufgefahren, doch nach heftiger Kritik von NZZ-Bahnexperte Hans Bosshard wurde das Projekt schliesslich doch noch vom Bundesrat gestoppt. Zwar war die damalige Variante deutlich günstiger geplant – etwa 600 Millionen Franken – doch es wurde kritisiert, dass durch die Röhre nur zwei Züge pro Stunde gefahren wären. Für das Geld hätte man an anderen Stellen eine grössere Kapazitätssteigerung erwirken können.

