«Das hier ist ein altes Foto einer Konfirmation. Da ist Papa aber nicht drauf. Ah doch, hier. Ach da war er noch jung.» Magdalena Munz betrachtet das Bild noch einen Moment, dann wandert es in eine der Kisten, die für den Transport nach Uster fertig gepackt werden. Wir sind in Bottighofen im Thurgau, wo die Tochter des Schriftstellers Otto Schaufelberger, Magdalena Munz, lebt. Kürzlich vermachte sie den Nachlass ihres Vaters dem Stadtarchiv Uster. In der Stadt unterrichtete der Autor jahrelang im Schulhaus Pünt und schrieb bekannte Romane wie «Menschen am Schneebelhorn», «Braune Brandung» sowie zahlreiche Gedichte. An der Tägerackerstrasse ist sogar ein Platz nach ihm benannt. Den Nachlass, der hauptsächlich aus alten Schriftstücken, Fotos und Ordnern besteht, werde das Stadtarchiv aufarbeiten und dann zur weiteren Untersuchung von Schaufelbergers Leben nutzen sowie einen Teil für die Öffentlichkeit aufbereiten, sagt die Stadtarchivarin Caroline Vetsch.
Retten vor der Grube
Im Lagerraum in Bottighofen riecht es nach Karton und Holz. Es ist so eng, dass sich die vielen Beteiligten und Helfer ständig im Weg stehen und aneinander vorbeischieben müssen. Neben Magdalena Munz und Vertretern des Stadtarchivs ist noch eine Gruppe des Zivilschutzes vor Ort. Die Abteilung des Kulturgüterschutzes soll bei der «Züglete» Hand anlegen und den sicheren Transport des Nachlasses garantieren.
«Heute Morgen habe ich die Tagebücher von meinem Vater gefunden. Die wegzugeben, da konnte ich mir ein Tränchen nicht verkneifen»
Magdalena Munz, Tochter von Otto Schaufelberger
«Ich habe dem Archiv die Schenkung vorgeschlagen», sagt Munz. «Ich weiss ja nicht, was meine Kinder damit machen würden, wenn ich mal nicht mehr bin. Ich will nicht, dass diese Sachen in einer Grube landen.» Natürlich falle es ihr schwer, sich davon zu trennen. Aber sie wisse, dass es das Richtige sei. «Heute Morgen habe ich die Tagebücher von meinem Vater gefunden und Briefe, die zwischen ihm und meiner kursierten, als die beiden noch ledig waren. Die wegzugeben, da konnte ich mir ein Tränchen nicht verkneifen.»

