Kurz vor Silvester boomt das Feuerwerks-Geschäft
Besorgte Tierschützer
Wenige Tage vor dem Jahreswechsel decken sich Jung und Alt mit Feuerwerk ein. Viele erfreuen sich am lauten Farbspektakel um Mitternacht – nicht so viele Tiere.
Am letzten Tag des Jahres, pünktlich um Mitternacht werden Raketen, Böller und Tischbomben gezündet. Der Himmel erhellt sich voller Farben, Blitze und Glitzer, bis alles in einer grossen Nebelschwade verschwindet.
Vom Jahreswechsel profitieren vor allem all diejenigen, die Tage davor schon hunderte Raketli und Feuerwerksbatterien verkauft haben. Renate Keller ist eine davon. Mit ihrem Mann führt sie das Familienunternehmen Swiss Feuerwerk, Feuerwerk und Pyrotechnik in Rikon. Von klassischen Raketen, über Vulkane, bis hin zu Fackeln verkaufen sie alles, was man zu Silvester anzünden kann.
«Bisher ist der Verkauf nicht schlecht verlaufen», sagt Keller zwei Tage vor Silvester. Sie hat nur wenig Zeit, zu telefonieren. Schon morgens um neun, kurz nachdem der Feuerwerksladen geöffnet hat, stehen schon mehrere Kunden vor der Tür.
Nicht zu trocken, nicht zu nass
«Das Silvestergeschäft verläuft meistens besser als jenes vor dem ersten August», sagt Keller. Auch dieses Jahr sei es wieder so gewesen. Das liege vor allem an den feuerpolizeilichen Verboten im trockenen Sommer. «Viele warten bis auf den letzten Moment mit dem Kaufen von Feuerwerk.» Zu gross sei die Befürchtung vor neuen Restriktionen.
Ganz anders ist das an Silvester. «Man hat weniger Angst, dass es zu trocken ist», meint Keller. Nur noch zu nasses Wetter könne den Feuerwerkfans einen Strich durch die Rechnung machen. «Vorhergesagter Nebel oder starker Regen vermiesen uns das Geschäft ein wenig.»
Doch mit der angesagten Rekordwärme am Silvesterabend scheint das in diesem Jahr kein Problem zu sein. «Jetzt ist die stressigste Zeit. Seit Dienstag haben wir täglich viele Kunden.» Und zwar vom Jugendlichen bis zum 70-jährigen Stammkunden.
Keine Fans von Feuerwerk
Während die Menschen das neue Jahr feiern, Sekt trinken und das tosende Feuerwerk geniessen, sterben viele Tiere tausend Tode. «Katzen, Hunde und andere Haustiere nehmen den Lärm und den unbekannten Geruch als lebensbedrohliche Situation war», meint Rommy Los, Geschäftsführer des Zürcher Tierschutzes.
Manche Tiere würden eher auf Lärm reagieren, andere auf Lichtblitze und Helligkeit. Mit ein paar Massnahmen könne man den Tieren aber ein möglichst stressfreies Silvester gestalten. «Vor allem bei Freigänger-Katzen muss man darauf achten, dass diese rechtzeitig zu Hause sind und auch nicht mehr raus können», sagt Los. Herumwandernde Katzen, die auf ihrer Flucht vor fahrende Autos laufen, verunfallen in der Silvesternacht regelmässig.
Bei Hunden sei die Reaktion auf Feuerwerk oft sehr stark. Sie wimmern, zittern oder verkriechen sich unter dem Tisch. «Nicht etwa, weil Hunde per se schreckhafter sind», meint Los. Es falle einfach eher auf, als bei Katzen.
Stress-T-Shirts und Therapien
Bei Hunden sei es zentral, dass man sie mit ihrer Angst nicht alleine lasse. «Der Hund braucht Sicherheit. Wenn er Nähe sucht, muss man diese unbedingt zulassen», sagt Los.
Verdunkelte Fenster würden ebenfalls helfen. «Geschlossene Jalousien funktionieren wie Schalldämpfer. Auch Musik beruhigt manche Tiere.» Enganliegende Stress-T-Shirts würden ein zusätzliches Gefühl von Geborgenheit geben. Los betont aber, dass jedes Haustier individuell auf das Feuerwerk reagiert und deshalb nicht alles gleich gut funktionieren muss.
«Wenn alles nichts nützt, kann man seine Haustiere auch desensibilisieren», meint er. Dabei wird das Tier gemeinsam mit einem Trainer über Monate schrittweise an die Geräusche und Blitze gewöhnt.
Auf medikamentöse Behandlung solle man am besten verzichten. «Wenn, dann nur nach Absprache mit dem Tierarzt.»
