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Fast jede zweite Gemeinde senkt den Steuerfuss

Fast jede zweite Gemeinde senkt den Steuerfuss

Die grosse Übersicht

Die Corona-Vorsicht ist der finanziellen Zuversicht gewichen: 13 der 31 Oberländer Gemeinden senken auf 2023 hin ihren Steuerfuss. Die SVP hat noch mehr gewollt, ist damit aber meist gescheitert.

Christian Brändli

Die Furcht vor Corona hat sich nicht nur im Gesundheitswesen gelegt, auch die Finanzexperten geben sich nun gelassener. Sie rechnen mit keinen gewichtigen Folgen der Pandemie für die Gemeindekassen. Es hat sich gezeigt, dass auch in den letzten beiden Ausnahmejahren gerade die Steuereinnahmen weitersprudelten und der befürchtete Einbruch nicht eintrat.

Die Rolle der Exekutive

Entsprechend ist der Ruf nach Steuersenkungen lauter geworden. Gleich in 13 der 31 Gemeinden in den drei Oberländer Bezirken Hinwil, Pfäffikon und Uster sinkt der Satz aufs 2023 hin.

Meist ist es die Exekutive selbst gewesen, die den Antrag auf eine Steuerfusssenkung gestellt hatte. Doch teilweise mussten die bürgerlichen Parteien nachhelfen. Insbesondere die SVP hat in den Budgetdiskussionen einen forschen Ton angeschlagen und verlangt, dass die Steuerzahler nicht mehr so stark belastet werden dürften.

Der Kurs der Parteien

Gleich in mehreren Orten, so etwa in Hittnau und Seegräben, aber auch den Städten Wetzikon, Illnau-Effretikon und Uster, unterlagen sie mit ihren Anträgen. Manchmal knapp, meist aber deutlich. Selbst in Dübendorf musste die SVP eine Niederlage einstecken. Statt der von ihr angepeilten Reduktion um fünf Prozentpunkte sind es im 2023 aber immerhin drei Punkte weniger.     

Insbesondere in den Parlamenten entspann sich eine ideologisch geprägte Diskussion um die Steuerhöhe. Während die Linke dem Gemeinwesen viel Mittel zuhalten wollte, plädierten die Bürgerlichen dafür, keine Steuern auf Vorrat zu erheben.

Der Abbau der Schulden

In einigen Gemeindeversammlungen war als Begründung für das Beibehalten des Satzes zu hören, dass mit den erwarteten Ertragsüberschüssen die Schulden getilgt werden sollen.

Und in Bauma soll mit den überschüssigen Einnahmen der geplante neue Werkhof vorfinanziert werden. Zweidrittel der voraussichtlichen Investitionssumme von 15 Millionen Franken soll auf diesem Weg bereitgestellt werden.  

Immerhin zehn Gemeinden setzen auf eine hohe Konstanz. Seit 2020 und nun auch im 2023 behalten sie den Steuerfuss auf konstanter Höhe, mal tief wie in Greifensee mit 93 Prozent, mal hoch wie Fischenthal mit 124 Prozent.

Die Höhe der Reduktionen

Mit Dürnten, Gossau, Rüti, Seegräben, Lindau, Wildberg und Maur senken sieben Gemeinden ihren Satz um zwei Prozentpunkte. Immerhin noch fünf Gemeinden – Hittnau, Pfäffikon, Wila, Dübendorf, Mönchaltorf – reduzieren um drei Prozentpunkte.

Und das ohnehin schon steuergünstige Fällanden sieht genügend Spielraum, um gleich um vier Prozentpunkte runter zu gehen. Allerdings gab es auch dort warnende Stimmen, dass angesichts der hohen Investitionen – diese sollen sich in den nächsten 15 Jahren auf über 100 Millionen Franken belaufen – eine Reduktion nicht angebracht sei.

Die Ausnahme zum Trend

Völlig aus der Reihe tanzt in der Reihe einzig Fehraltorf. Hier wird der Steuerfuss erhöht und zwar um zwei Punkte auf 109 Prozent. Begründet wird der Schritt mit der geplanten Schulraumerweiterung, die elf Millionen Franken kosten soll.

Morgenstimmung in Fehraltorf
Nebel über Fehraltorf: Wegen hoher Investitionen ist die finanzielle Zukunft der Gemeinde leicht eingetrübt.

In den letzten Jahren sei deswegen eine Steuererhöhung mehrfach angekündigt worden. Immerhin, so wurde die Budget-Gemeindeversammlung getröstet, seien es nun nicht vier Punkte mehr, wie auch einmal vorgerechnet worden sei.

Die Extreme in der Region

Am höchsten sind die Steuersätze im Durchschnitt mit 116 Prozent noch immer im Bezirk Hinwil. Nur ganz knapp besser sieht es im Bezirk Pfäffikon aus, wo der Schnitt bei 115 Prozent liegt. Weit tiefer liegt diese Messgrösse im Bezirk Uster: 100 Prozent.

Gemeindearbeiter von Wildberg beim Splitten der Strassen.
In der Höhe sicheren Boden finden: In Wildberg sinkt der Steuerfuss, bleibt aber dennoch der höchste in der Region.

Dort ist auch das traditionelle Steuerparadies der Region zu finden. Mit gerade noch 85 Prozent hat Maur diesen Titel noch weiter gefestigt. Demgegenüber hat Wildberg, vielleicht seiner geografischen Lage entsprechend, die höchste Steuerlast. Trotz einer Steuerfussreduktion um zwei Punkte ist die kleine Gemeinde mit einem Steuerfuss von 127 Prozent alleiniger Spitzenreiter.   

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