Neue Kontroverse um Jabee Tower: Stadtpräsident nimmt Stellung
Die Aufrichte des Jabee Towers vor zwei Wochen zog eine rege Diskussion in den sozialen Medien nach sich. Wie bereits vor Baubeginn des höchsten Wohnhauses der Schweiz waren die Reaktionen auf die Berichterstattung von züriost auch jetzt teilweise heftig.
Der Grossteil der Einträge auf Facebook war kritischer Natur. Einige bezeichneten das Projekt als « Fehlplanung » , da zum Beispiel Schulen und Läden in der Umgebung fehlten. Viele User zeigten sich zudem besorgt darüber, dass Dübendorf mit dem Hochhaus nun endgültig seinen « Dorfcharakter » verlieren könnte. Damit hängt auch die Befürchtung zusammen, die ebenfalls geäussert wurde, dass mehrheitlich zahlungskräftige Mieter in die teuren Wohnungen einziehen werden. Diese würden sich nicht in das Vereinsleben einbringen und nicht in den lokalen Geschäften einkaufen.
Stadtpräsident André Ingold (SVP) äussert sich im Interview zu den zentralen Kritikpunkten aus der Bevölkerung. Er ist in seinem Amt auch im Planungsausschuss, in der « Zürcher Planungsgruppe Glattal » und im « Ausschuss Freiraum » tätig.
Herr Ingold, auf Facebook wurde das Jabee-Projekt kürzlich wiederholt als « Fehlplanung » bezeichnet. So befänden sich etwa keine Schulen oder Läden im näheren Umfeld. Was sagen Sie dazu?
André Ingold: Es ist korrekt, dass im Moment noch fast keine Läden vorhanden sind. Diese sind aber am Entstehen. Im Hochbord gibt es keine öffentlichen Schulen mit Ausnahme des Lycée Francais. Die Primarschule ist im Moment daran, das Schulraumkonzept zu überarbeiten, um die Situation neu zu beurteilen.
Einige Facebook-Nutzer beklagten auch, dass Dübendorf mit dem Bau des Jabee Towers « sterbe » oder bereits jetzt « ganz tot » sei. Dies weil es nun den Dorfcharakter verliere und endgültig urban werde. Es gehe « nur ums Geld ». W as der Bürger wolle, sei den Initianten des Projekts und der Politik « scheiss egal » . Was sagen Sie als Stadtpräsident zu diesen happigen Vorwürfen?
Dübendorf wird nicht sterben. Es ist zwar richtig, dass bis vor einiger Zeit das Hochbord zum Grossteil als Gemüseanbaugebiet genutzt wurde, aber das Dorfleben hat auch schon früher nicht im Hochbord stattgefunden. Städtebaulich gefällt mir persönlich der Jabee-Tower sehr gut. Aber mit der Architektur ist es wie mit der Kunst, entweder sie gefällt oder sie gefällt nicht.
Weiter heisst es, dass Dübendorf zu einer « Schlafstadt » verkomme, weil die künftigen Bewohner des Towers sich « wohl kaum ins Vereinsleben einbringen » und nicht in lokalen Gaststätten konsumieren würden. Teilen Sie diese Befürchtung?
Diese Befürchtungen teile ich nicht. Es wird sicher nicht so sein, dass die Vereine nun von den neuen Bewohnern überschwemmt werden, aber dies ist aus meiner Sicht auch nicht nötig. Wichtig ist es, dass die Vereine weiterhin attraktiv bleiben und wir als Stadt die Rahmenbedingungen bereitstellen. Betreffend der Gastronomie zeigen frühere und auch aktuelle Beispiele, dass Restaurants mit einem guten Konzept auch rentieren und entsprechend auch die einheimischen wie auch die auswärtigen Gäste anziehen.
« Ich könnte mir aber vorstellen, dass eher gutverdienende Personen eine Wohnung bewohnen werden »
André Ingold, Stadtpräsident (SVP)
Wiederholt wurden auch die « exorbitanten Mietpreise » für die Wohnungen und die « teuren Parkplätze » kritisiert. Finden Sie diese Preise angemessen?
Ob die Preise angemessen sind oder nicht, kann ich nicht beurteilen, da zu einer Mietzins-Berechnung immer verschiedene Faktoren berücksichtigt werden müssen.
Ein Facebook-Nutzer befürchtet, dass viele Expats im Tower wohnen werden, die keine Steuern zahlen. Was sind Ihre Erwartungen?
Wie viel Steuersubstrat in Dübendorf hängen bleibt, ist Kaffeesatzlesen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass eher gutverdienende Personen eine Wohnung bewohnen werden und so allenfalls auch etwas in die Dübendorfer Stadtkasse fliesst.
Einige bezweifeln zudem, dass die geplanten Grünflächen beziehungsweise die Parkanlage wie projektiert umgesetzt werden. Wie sicher ist die getreue Umsetzung der Planung?
Die Erstellung der Parkanlage sowie deren Unterhalt sind in einem Vertrag zwischen der Stadt Dübendorf und den privaten Investoren geregelt. Somit muss die Parkanlage auch den dort formulierten Anforderungen und Ansprüchen genügen und entsprechend erstellt werden.