Neue Interessenten für Areal vom alten Landi in Bauma
Überraschung an der Baumer GV vergangene Woche: Auf der Traktandenliste stand der Baurechtsvertrag für das Areal des alten Landi. An dessen Stelle hätte eine Überbauung mit Wohnungen samt Migros-Supermarkt entstehen sollen.
Doch das Geschäft wurde vom Gemeinderat kurzfristig zurückgezogen. Denn am Donnerstag vor der Versammlung hatte die Migros Ostschweiz der Gemeinde mitgeteilt, dass sie sich aus dem Projekt zurückzieht. «Am Freitag haben wir dann den schriftlichen Bescheid erhalten», sagt Gemeindepräsident Andreas Sudler (parteilos).
Zu spät, um die Bevölkerung zu informieren. «Deshalb haben wir das dann an der Versammlung gemacht.»
Schon lange bekannt
Das Projekt hatte die Migros im Herbst 2019 vorgestellt. Ursprünglich wollte die Gemeinde bereits vor zwei Jahren über den Baurechtsvertrag abstimmen lassen. «Es kam dann aber zu Verzögerungen», gibt Sudler zu.
«Nichts hat darauf hingedeutet, dass die Migros so kurz vor der Gemeindeversammlung diesen Entscheid fällt.»
Andreas Sudler (parteilos), Gemeindepräsident von Bauma
Beispielsweise habe es länger gedauert, bis die Abbruchbewilligung für den alten Landi erteilt werden konnte. Auch die Pandemie habe die Zusammenarbeit mit dem Grossverteiler teilweise erschwert.
Der kurzfristige Rückzug des orangen Riesen hat Sudler trotzdem überrascht. «Nichts hat darauf hingedeutet, dass die Migros so kurz vor der Gemeindeversammlung diesen Entscheid fällt.» Schliesslich habe man schon länger Kontakt gehabt – auch in der Vorbereitung der Gemeindeversammlung.
Wirtschaftliche Überlegungen
Zum kurzfristigen Entscheid sagt Silke Seichter, Mediensprecherin der Migros Ostschweiz, dass man die Gemeinde so früh wie möglich informiert habe. «Früher war dies durch die internen Prozesse, denen ein solcher Entscheid in unserem Unternehmen unterworfen ist, leider nicht möglich», sagt sie.
«Wir wollen unbedingt präsent bleiben und in die Modernisierung des bestehen Ladens investieren.»
Silke Seichter, Mediensprecherin Migros Ostschweiz
Als Grund für den Entscheid wurden an der Versammlung betriebswirtschaftliche Aspekte genannt. Auf Basis der finanziellen Kennzahlen sei laut Seichter ein Weiterbetrieb des Supermarktes am bestehenden Standort der unternehmerisch sinnvolle Entscheid.
«Dazu musste man beispielsweise die vor dem Standortwechsel nötigen Investitionen zur Betriebsaufrechterhaltung im bestehenden Laden, das Bauinvestment in den Neubau sowie den erwarteten Umsatz berücksichtigen.»
Migros bleibt
Bauma bleibe für die Migros aber ein wichtiger Standort, betont Seichter. «Wir wollen unbedingt präsent bleiben und in die Modernisierung des bestehen Ladens investieren.»
Die Baurechtsnehmerin und Investorin für die Überbauung war ohnehin nicht die Migros selber, sondern das Immobilienentwicklungsunternehmen Antares Plan AG mit Sitz in Stein am Rhein. Der Grossverteiler wäre lediglich Mieterin des Supermarkts im Erdgeschoss gewesen.
Auf Anfrage teilt die Antares Plan AG mit, dass sie vom Rückzug der Migros genauso überrascht war wie die Gemeinde. Weiter möchte sich die Gesellschaft zum jetzigen Zeitpunkt nicht äussern.
Bereits neue Anfragen
Wütend ist Gemeindepräsident Andreas Sudler trotz des kurzfristigen Scheiterns des Baurechtsvertrags nicht. «Das wäre das falsche Wort» meint er. Doch etwas Enttäuschung bleibt bei ihm. «Es ist aber kein Weltuntergang», hält er fest.
«Wir prüfen alles genau und unternehmen dann weitere Schritte.»
Andreas Sudler
Er ist zuversichtlich, dass trotzdem eine Überbauung auf dem Areal entstehen kann. «Kurz nach der Gemeindeversammlung sind bereits weitere Anfragen bei der Gemeinde eingegangen», sagt Sudler. Ob auch die Antares Plan AG weiterhin interessiert ist, ein Projekt zu realisieren, weiss der Gemeindepräsident nicht.
Überstürzten werde man aber nichts. «Wir prüfen alles genau und unternehmen dann weitere Schritte.»
Nur im Baurecht
Die Wünsche der Bevölkerung sollen auch bei einem neuen Projekt berücksichtigt werden. «Dazu gehören beispielsweise altersgerechte Wohnungen», erklärt Sudler.
Ausserdem werde das Areal nur im Baurecht abgegeben. «Dieses Filetstück geben wir von der Gemeinde nicht ganz aus der Hand», meint Sudler.
Das Wichtigste sei vorderhand aber, dass die Parzelle baureif gemacht werde. In den nächsten Monaten wird erst einmal der alte Landi abgerissen.