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Gesellschaft

Nach der Schule wäscht Alicia Teller im Baumer Altersheim ab

Alicia Motta aus Fischenthal geht zwar erst in die erste Sek, hat aber bereits einen Job. Einmal pro Woche hilft sie in der Küche eines Altersheims beim Abwaschen und verdient so ihr erstes Geld.

Am Donnerstag nach der Schule geht Alicia Motta ins Altersheim und hilft dort beim Abwasch., Seit März hat die Schülerin aus Fischenthal diesen Taschengeldjob., Die Handgriffe sitzen in der Zwischenzeit. Sie kommt schnell vorwärts.

Fotos: Bettina Schnider

Nach der Schule wäscht Alicia Teller im Baumer Altersheim ab

Der Donnerstag wäre für die Gibswiler Schülerin Alicia Motta eigentlich anstrengend genug. Über Mittag hat sie Kochunterricht und dann bis kurz nach vier Uhr Schule. «Am Schluss habe ich Geschichte, das ist immer schwierig», sagt sie.

Doch ausruhen kann sie sich danach nicht. Kaum zu Hause angekommen, muss sie sich an ihre Hausaufgaben setzen und dann geht es los ins Altersheim Blumenau nach Bauma. Dort arbeitet die Schülerin als Abwäscherin.

Um 18 Uhr beginnt ihre Schicht. Bevor sie im Hauptgebäude nach unten in die Küche läuft, schaut sie jeweils noch kurz auf den Speiseplan. «Je nachdem, was es gibt, habe ich länger fürs Abwaschen.» Besonders zeitaufwändig seien Milchreis oder Aufläufe. «Dann muss man vieles einweichen», erklärt sie.

Doch an diesem Donnerstag gibt es ein gutes Menü: Dampfnudeln mit Vanillesauce. «Das ist super, dann bin ich etwas früher fertig», ist Alicia überzeugt.

Die Handgriffe sitzen

Auf dem Weg in die Küche schnappt sich die Schülerin noch eine weisse Schürze und dann geht es los. Auch wenn die Seniorinnen und Senioren im Speisesaal mit dem Abendessen noch nicht fertig sind, steht bereits dreckiges Geschirr bereit.

Sofort startet Alicia. Mit schnellen Handgriffen befüllt sie die Körbe für die Abwaschmaschine. Ist diese fertig, trocknet und räumt sie das Geschirr ebenso schnell wieder weg. «Es braucht schon etwas Übung.»

Video: Bettina Schnider/Schnitt: Elias Wirth

Jeweils drei Tassen gehören zum Beispiel aufeinander. «Man muss schauen, dass man es schön hinstellt.»

Geld für neue Kleider

Im März hatte sie ihren ersten Einsatz. Auf die Stelle in der Blumenau aufmerksam gemacht hatte sie eine Kollegin aus der Schule: «Sie hat bereits in der Blumenau gearbeitet und mir auch alles erklärt.» Das sei ein lustiger Anfang gewesen.

Doch nach ein paar Abenden hatte Alicia schon alles im Griff. Seither steht sie jeden Donnerstagabend und teilweise auch am Wochenende für eine Stunde bis 90 Minuten in der Küche. Pro Einsatz verdient sie damit ein Taschengeld; den genauen Betrag will die Blumenau jedoch nicht öffentlich machen.

Für die Sek-Schülerin summiert sich das zu einem ansehnlichen Betrag. Einen Teil davon legt sie zwar zur Seite. «Aber ich gebe auch viel für Kleider aus», gibt sie zu.

Mit langen Jeans in der Küche

Kaum sind die ersten Bewohner mit dem Abendessen fertig, füllt sich die Küche schnell mit neuem Geschirr. Als erstes muss Alicia die Krüge ausleeren. Milch kommt in eine spezielle Kanne, das Wasser in den Abfluss. Die Essensreste werden in einem Kübel gesammelt.

«Am Schluss bin ich meistens wirklich kaputt.»
Alicia Motta, Schülerin aus Fischenthal

Der ständige Betrieb der Abwaschmaschine ist dem Raumklima nicht dienlich. Es ist trotz laufender Lüftung sehr warm und feucht in der Küche. Doch Alicia stört das nicht mehr. Sie hat an diesem Donnerstag sogar lange Jeans an. «Man gewöhnt sich dran», sagt sie locker und stellt den nächsten Krug in den Korb der Abwaschmaschine.

Zu Hause helfe sie zwar auch im Haushalt mit, während sie einen weiteren vollen Korb aus der Maschine zieht. «Doch dort gibt es nicht so viel zu tun.»

Ihr Taschengeldjob in der Blumenau bereitet ihr viel Freude – auch wenn es sehr anstrengend ist. «Am Schluss bin ich meistens wirklich kaputt», gibt sie zu.

Dankbare Dampfnudeln

Ans Aufhören denkt sie trotzdem nicht. «Ich plane eigentlich, bis zum Ende der Sek hier zu arbeiten», sagt Alicia optimistisch. Danach möchte sie gerne Fachfrau Gesundheit lernen, aber nicht in einem Altersheim. «Ich glaube, ich mache die Lehre lieber im Spital.» Das Einsatzgebiet dort gefalle ihr besser.

An diesem Donnerstag ist Alicia bereits um 19.10 Uhr mit der Arbeit fertig. Wie sie es vorhergesehen hat, habe die Dampfnudeln nicht so viel zu tun geben.

Abgeholt wird sie von ihren Eltern. Doch nicht mehr lange. «Bald erhalte ich ein E-Bike», freut sich Alicia. Dann kann sie auch selbstständig ins Altersheim fahren. Die Hälfte des neuen Velos muss sie aber selber bezahlen – mit ihrem Lohn. 

Junge Helfer in der Blumenau

Seit Jahrzehnten bietet das Alters- und Pflegeheim Blumenau Jugendlichen die Möglichkeit, ihr Taschengeld mit Hilfe beim Abwasch aufzubessern. «Wir haben immer Sek-Schüler aus Bauma und Fischenthal», sagt Markus Plüss, Co-Heimleiter der Blumenau. So sei sicher kein Abend unbesetzt, wenn es einmal einen Schulanlass gebe. (bes)

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