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Ende einer Ära

Nach 135 Jahren – Foto Müller in Uster schliesst

135 Jahre stand der Name Müller in Uster für Fotografie. Jetzt macht Urenkelin Daniela Wellinger-Müller den Laden dicht. Es ist ein Ende ohne Bitterkeit.

Inhaberin Daniela Wellinger nimmt ihre beiden Mitarbeiterinnen Tanja Lanz und Milana Bayer in den Fokus.

Foto: Simon Grässle

Nach 135 Jahren – Foto Müller in Uster schliesst

Ende einer Ära

135 Jahre stand der Name Müller in Uster für Fotografie. Jetzt macht Urenkelin Daniela Wellinger-Müller den Laden dicht. Es ist ein Ende ohne Bitterkeit.

Die Geschichte der Foto Müller GmbH in Uster endet an diesem Donnerstag. Dann wird Daniela Wellinger-Müller ihre beiden letzten Mitarbeiterinnen verabschieden, das Licht löschen und den Schlüssel zum Laden im Zentrum von Uster drehen. Es wird das Ende einer Ära sein.

«Zwei Herzen schlagen in meiner Brust», sagt Daniela Wellinger, die das Familienunternehmen in der vierten Generation führt. «Emotional tut es weh, das kann ich nicht anders sagen. Aber rational ist es die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt.»

Die goldenen Zeiten des Fotofachhandels sind längst vorbei. Als Daniela Wellinger die Firma 1998 von ihrem Vater Henri übernahm, beschäftigte das Unternehmen elf Mitarbeitende. Das Labor im Untergeschoss lief auf Hochtouren, täglich brachten die Kundinnen und Kunden bis zu 50 analoge Filme im Geschäft an der Bahnhofstrasse 1 vorbei – auch der «Anzeiger von Uster» liess seine Fotos hier entwickeln. «Wir hatten jeweils 20 Minuten Zeit, dann mussten die Bilder fertig sein», erinnert sich Daniela Wellinger.

Pferde als zweites Standbein

Wer heute auf die Firmenwebsite klickt, findet die Porträts von drei Frauen: Neben der Chefin sind dies die beiden Fotografinnen Tanja Lanz und Milana Bayer. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Die Chefin war in den letzten Jahren nur selten vor Ort.

Die Ursache dafür liegt sechs Jahre zurück: Als die Pandemie das Leben in der Schweiz zeitweise zum Erliegen brachte, beantragte sie Kurzarbeit für ihre Mitarbeitenden. Ihr selbst blieb diese Möglichkeit verwehrt – Kurzarbeit gibt es nur für Angestellte.

Eher zufällig wurde die Fotografin, die auch ausgebildete Pferdefachfrau ist, damals mit der Leitung einer Pferdepension in Riedikon betraut. Seither führt sie neben dem Fotogeschäft auch die Pferdepension und verbringt dort viel Zeit: «Ohne das Team an der Bahnhofstrasse wäre das nicht möglich gewesen.»

In den letzten Jahren konzentrierte sich das Team an der Bahnhofstrasse 1 auf Porträtbilder für Firmen oder für Bewerbungen, auf Hochzeits-, Familien- und Babyfotos: «Hier besteht nach wie vor eine Nachfrage.» Wie auch alle vier Jahre nach Fotos für Wahlplakate.

Eine Branche unter Druck

Seit der Jahrtausendwende steht die Fotobranche massiv unter Druck. Zuerst machte das Aufkommen der Digitalfotografie in den Nullerjahren das Labor überflüssig. Später führte der schnell wachsende Onlinehandel dazu, dass sich der Verkauf von Fotoapparaten nicht mehr lohnte.

Der Entscheid, das Geschäft zu schliessen, sei über eine längere Zeit gereift, sagt Daniela Wellinger: «Mit dem Aufkommen der Digitalfotografie wurde mir ein erstes Mal bewusst, dass ich wohl die Inhaberin sein werde, die die Firma schliesst, die mein Urgrossvater einst gegründet hatte.»

Drei Frauen posieren vor dem Schaufenster von Foto Müller für die Kamera.
Ein Ende ohne Bitterkeit: Das Team von Foto Müller mit Milana Bayer, Inhaberin Daniela Wellinger und Tanja Lanz (von links).

Im vergangenen Herbst traf sie den Entscheid, Anfang Jahr informierte sie ihre beiden Mitarbeiterinnen: «Ich möchte fair und korrekt aufhören. Natürlich könnte ich noch weitermachen, aber unsere Branche erholt sich nicht mehr. Und ich will auf keinen Fall einen Konkurs.» Der Umstand, dass keines ihrer drei Kinder Interesse am Familienunternehmen hat, machte ihr den Entscheid etwas leichter.

Ein Leben im Familienunternehmen

Sie selbst hat ihr ganzes Leben im Geschäft verbracht, das am 4. September 1890 von Jacques Müller gegründet worden war und später an dessen Sohn Jakob, Enkel Henri und schliesslich Urenkelin Daniela überging. Schon als Zehnjährige sei sie ihrem Vater bei Hochzeitsreportagen zur Hand gegangen, erzählt die heute 57-Jährige: «Ich trug die zweite Kamera bei mir und wechselte jeweils die Filmrollen. So konnte sich mein Vater ganz aufs Fotografieren konzentrieren.»

Die Berufswahl Fotografin war naheliegend. Den Lehrabschluss habe sie noch mit Schwarz-Weiss-Fotografie gemacht, erzählt sie lachend und zieht zwei offensichtlich noch viel ältere Aufnahmen aus einem Etui: Ein Foto zeigt den ersten Standort an der Poststrasse 1. Das gläserne Dach und die verglaste Veranda im Obergeschoss sollten möglichst viel Licht ins Studio bringen. Das zweite Bild zeigt die Bahnhofstrasse, wo Foto Müller seit 1982 ansässig ist.

Daniela Wellinger war Fotografin mit Leib und Seele: «Der Job ist wahnsinnig abwechslungsreich und so bunt wie die Menschen. Das werde ich wohl am meisten vermissen.» Wie sie auch ihre beiden jungen Mitarbeiterinnen vermissen wird. Beide haben bereits eine berufliche Anschlusslösung gefunden – in anderen Branchen.

Das Archiv bleibt bestehen, Bestellungen und Kontakt sind weiterhin möglich per E-Mail info@fotomuelleruster.ch.

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