Mobile Sirenen warnten Menschen in den hintersten Ecken des Oberlands
In abgelegenen Gebieten
Schon als Kind werden Menschen in der Schweiz mit dem jährlichen Sirenentest «geimpft». Doch die wenigsten wissen, dass auch mobile Warnsysteme eingesetzt werden. Diese sind ganz schön laut.
Die kleine weisse Kugel auf dem Dach des Fahrzeugs der Zivilschutzorganisation Bachtel hat ordentlich Power. Ihr Geheul ist weitherum zu hören. «In einem Meter Entfernung sind es 122 Dezibel», sagt Markus Wanner, Kommandant der ZSO Bachtel.
Auf den Knopf gedrückt hat der Zivilschützer Orell Lorenz. Die mobile Sirene kann im Fahrzeug elektronisch ausgelöst werden. Während der einminütigen Beschallung bleiben die Türen geschlossen. Der Autor dieses Texts fragt sich, warum er sich so nahe an das Fahrzeug herangewagt hat, hält sich die Ohren zu und nimmt Abstand.
Mobile Beschallung für abgelegene Gebiete
Im Notfall wird ebendiese Sirene in abgelegenen Gebieten eingesetzt. Denn eine fest installierte Anlage kostet rund 15’000 Franken, darum greift man zum günstigeren Mittel. Die 3500 Franken teuren, mobilen Versionen können praktisch auf dem Dach von jedem Auto montiert werden. «Wir haben im ganzen Verbandsgebiet 17 Fahrrouten, die im Ernstfall mit den mobilen Sirenen abgefahren werden», sagt Wanner. Die ZSO Bachtel ist eine Organisation des Sicherheitszweckverbands Bachtel. Dieser wird von den Gemeinen Bäretswil, Bubikon, Dürnten, Fischenthal, Hinwil, Rüti und Wald betrieben. Im gesamten Gebiet stehen den Feuerwehren und dem Zivilschutz 22 mobile Sirenen zur Verfügung.
In Bäretswil gibt es zum Beispiel im Gebiet Ghöch keine stationäre Sirene. Im Ernstfall fährt die Feuerwehr vom Depot Bäretswil nach Wirzwil, dort würde die mobile Sirene eingeschaltet und der Weiler im Schritttempo befahren und beschallt werden. Anschliessend würde das gleiche Prozedere in den Weilern Rellsten und Ghöch erfolgen. Zu Testzwecken werden die mobilen Anlagen zwar geprüft, aber zum Schutz der Tiere beschallt man nicht jeden Bauernhof in der Peripherie.
Was, wenn eine Sirene nicht heult?
Die mobile Sirene der ZSO Bachtel funktioniert einwandfrei, wie das Geheul unschwer beweist. Auch die festen Anlagen heulten an diesem ersten Mittwoch im Februar in der ganzen Schweiz. Um die Bevölkerung umgehend zu alarmieren, verfügt das Land über ein Netz von rund 5000 stationären sowie 2200 mobilen Sirenen, davon sind 478 respektive 200 im Kanton Zürich. Ausgelöst werden die fest installierten per Mausklick. «Die Sirenen können im Kanton Zürich von der Kantonspolizei oder der nationalen Alarmzentrale über das System Polyalert ausgelöst werden», erklärt Johann Baumann, Leiter Alarmierung-Telematik vom Amt für Militär und Zivilschutz. Für den Kanton Zürich zieht er ein positives Fazit: «99 Prozent der angesteuerten Sirenen haben einwandfrei funktioniert.»
Falls die Ansteuerung einer Anlage nicht funktioniert, gibt es einen Plan B. «Sollte eine Sirene nicht auslösen, bekommt die jeweilige Feuerwehr eine Pager-Meldung und löst die Anlage vor Ort manuell aus», hält Baumann fest.
Diese Handauslösung muss aber auch getestet werden. In Rüti übernimmt dies wiederum Markus Wanner mit seinen Leuten. Das Testen ist nämlich hier Aufgabe des Zivilschutzes. Im Pumpwerk, wo die Sirenen installiert sind, öffnen die Männer einen Kasten. Die Sirene wird nicht mittels Knopfdruck ausgelöst, man braucht den richtigen Schlüssel dazu.
Diesen hat Andrea Viciconte zur Hand. Auf Kommando von Markus Wanner dreht er den Schlüssel, kurz darauf verzieht sich sein Gesicht. Die Sirene auf dem Dach heult. Selbst in 30 Metern Entfernung hat die Anlage eine Lautstärke von 118 Dezibel.
Der regionale Sicherheitszweckverband
Die ZSO Bachtel ist eine regional tätige Zivilschutzorganisation, welche im Rahmen des Bevölkerungsschutzes den Behörden für die Bewältigung von besonderen und ausserordentlichen Lagen zur Verfügung steht. Sie umfasst die Gemeinden Bäretswil, Bubikon, Dürnten, Fischenthal, Hinwil, Rüti und Wald, welche zusammen den Sicherheitszweckverband Bachtel betreiben.