Mit buddhistischen Mönchen und Hunde-Interviews zum Wahlsieg
Stadtratswahlen in Dübendorf
Die Dübendorfer Stadtratskandidaten betreiben ihren Wahlkampf auf den sozialen Medien ganz unterschiedlich. Nicht alle Methoden sind gleich erfolgreich, und bei einigen kommt Erstaunliches zutage.
«Kommt das gut?» Das fragt sich Hanspeter Schmid (Die Mitte) hinter der Kamera. Er kann sich das Lachen kaum verkneifen – zu lustig findet er die Szene, die er gerade gefilmt hat. Trotz diesen Zweifeln postet er das Video auf Instagram. Vielleicht schon ahnend, dass der Post Aufsehen erregen wird.
Das Video beginnt in China, wo ein buddhistischer Mönch seinem in einem Kopfstand balancierenden Kollegen mit einem Stock zwischen die gespreizten Beine haut. In dem Moment, als bei dem armen Mönch der Stock wohl im Genitalbereich landet, blendet ein neuer Clip ein: Dominic Müller (Die Mitte) taucht auf – als hätte er den Schlag eingesteckt – und verkündet mit piepsiger Stimme: «Wenn du Stadträte in Dübendorf willst, die dir nicht auf die Eier gehen, dann wähle Hanspeter und Dominic am 12. April.»
Klare Strategie – dank Managerin?
Das Ende März gepostete Video auf dem gemeinsamen Kanal der beiden Stadtratskandidaten ging vor Kurzem viral. Es erreichte auf Instagram rund 318’000 Zuschauer, sammelte rund 6000 Likes und bekam Kommentare wie: «Damit ich dich wählen kann, würde ich mir fast überlegen, dorthin zu zügeln», oder: «Hanspeter und Dominic for President».
Wie viele dieser über 300’000 Zuschauer in Dübendorf wohnen, geschweige denn wahlberechtigt sind, bleibt offen. Aber das Video brachte Müller und Schmid immerhin die Aufmerksamkeit einiger Medien ein.
Aber wie kämpfen die neun Stadtratskandidaten von Dübendorf eigentlich online um ihre Wähler? Das Zweigespann der Mitte ist auf jeden Fall das erfolgreichste. Alle seine Videos haben durchgehend mehrere tausend Views, auch einige andere Clips sind viral gegangen, wenn auch nicht im Ausmass des Mönch-Videos.
Aber das ist kein Zufall: Seit vergangenem November posten die beiden regelmässig, seien es Guetsli-Challenges, Ausflugstipps in Dübendorf oder politische Anliegen. Das einheitliche Branding zeugt von einer klaren Strategie. Dahinter steckt eine Kommunikationsstudentin: Fabienne Schmid aus Dübendorf bekennt sich auf LinkedIn als Content-Managerin der beiden Politiker.
Nicht verzagen, Partei fragen
Während Schmid und Müller sich auf die Leitung der Studentin verlassen, posten die meisten anderen Kandidaten zusammen mit ihrer Partei. So zum Beispiel Susanne Hänni (GLP), die auf ihren diversen Social-Media-Kanälen die Videos postet, die von der Grünliberalen Partei Dübendorf produziert wurden. Im Gegensatz zu denjenigen von Müller und Schmid sind diese nüchtern, seriös und ausschliesslich auf Politik konzentriert. Die Reichweite hält sich auf Instagram mit 20 bis 100 Likes in Grenzen – auf Tiktok hat sie mit einem Video immerhin 13’300 Zuschauer erreicht.
Auch Stefanie Huber (GLP) nutzt den Content der Partei. Im Unterschied zu Hänni streut sie auf Instagram zusätzlich noch etwas Persönlichkeit rein – in Form von Bildern von Gartengemüse oder Rüeblikuchen. Das verschafft ihr zwischen einem und vier Likes.
Ivo Hasler (SP) postet ebenfalls Content zusammen mit seiner Partei. Daneben füllt er sein Instagram aber vor allem mit seinen Wahlplakaten – ganze sechs Mal. Auch Roger Gallati (FDP) postet einfach sein Konterfrei in den Parteifarben, wenn auch ausschliesslich auf LinkedIn. Auf Instagram, Tiktok, Facebook oder Twitter hat er sonst keine Präsenz.
Viral sind Hasler und Gallati mit dieser Strategie noch nicht gegangen. Dies liegt vielleicht daran, dass jeder ihre Wahlplakate bereits am Strassenrand gesehen hat. Auch Tanja Lips (SVP) kultiviert keine grosse Onlinepräsenz. Der einzige Post zu ihrer Kandidatur ist eine Wahlanleitung der SVP auf ihrem Instagram-Account.
Stadtrat mit Rauchfackel auf Wählersuche
Ohne die Posts ihrer Partei unterwegs sind Adrian Ineichen (FDP) und André Ingold (SVP). Letzterer veröffentlichte immerhin zwei Videos zum Wahlkampf auf Instagram, in denen er sich in ungewohnt ernster Manier vorstellt. Er spaziert vor den Garderoben des Fussballplatzes Zelgli und sagt: «Auch ein intaktes Gewerbe ist in Dübendorf sehr wichtig.» Die Werbung der Firmen an den Banden sind im Video derweil zensiert.
Adrian Ineichen bemüht sich vor allem auf Facebook und LinkedIn um seine Wählerschaft – mit informativen Posts zu seiner Kandidatur. Auf Facebook folgen ihm rund 2600 Personen. Wirklich interessant ist aber sein Youtube-Kanal: Dort sieht man einen jüngeren Adrian Ineichen, der sich 2011 für die Wahl in den Nationalrat mit seiner Partei der Jungfreisinnigen Zürich bewirbt.
In einem kurzen Video mit peppiger Musik interviewt er dafür einen Hund. Der soll sich angeblich mehr Freiheit wünschen. In einem anderen Clip posiert Ineichen als Krawallmacher, vermummt und mit einer Rauchfackel ausgestattet, um für mehr Sicherheit im öffentlichen Raum zu politisieren. Viral gingen die Clips damals nicht – aber zu dieser Zeit war der digitale Wahlkampf wohl noch nicht so verbreitet wie heute.