«Mich faszinieren Wolkenbilder»
Sie sind Inhaber der Steco AG in Effretikon. Was bedeutet Ihnen die Arbeit?
Werner Studer: Ich unterstütze Menschen, die nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens waren. Ich bin für sie da, damit sie möglichst bald wieder eine Arbeitsstelle finden. Meine Tätigkeit bedeutet mir viel. Entsprechend fest setze ich mich für die Arbeit ein.
Wie kam Ihre Berufswahl zustande?
Ich arbeitete viele Jahre bei den SBB. Zuerst war ich Betriebsdisponent, dann Verkaufsleiter, und nachher ging ich in die Personalabteilung. Einige Jahre später wurde ich Leiter Neuorientierung. Ich hatte mit Leuten zu tun, die ihre Stelle bei den SBB verloren hatten und intern oder extern neue Arbeit suchten. Gleichzeitig war ich Mitglied der Fürsorgebehörde in Effretikon und sah, dass Langzeitarbeitssuchende mehr als nur ein Arbeitsprogramm brauchen.
Wie sind Sie zu dieser Arbeitsstelle gekommen?
2007 gründete ich die Einzelfirma Steco Studer. Diese wandelte ich 2016 zur Steco AG um. Während dieser Zeit wuchs das Unternehmen sehr rasch.
Was würden Sie rückblickend anders machen?
Ich stelle mit dem Alter fest, dass ich die Work-Life-Balance nicht immer berücksichtigte. Ich arbeitete in meinem Leben sehr viel und hatte glücklicherweise keine gesundheitlichen Probleme. Die Familie hatte ich zwar im Auge, aber nun sehe ich, dass es noch etwas anderes gibt als Arbeit.
Name: Werner Studer
Geburtsjahr: 1952
Beruf: Berater/Coach
Erlernter Beruf: Betriebsdisponent SBB
Hobbys: Natur und Garten
Zivilstand/Kinder: verheiratet, zwei Töchter
Wohnort: Effretikon
Von wem haben Sie beruflich am meisten profitiert?
Es waren nicht einzelne Menschen, die ich herausheben kann. Ich traf in meinem Umfeld auf Personen, die Kompetenzen hatten, die ich erkannte und mir aneignete. Das ist mein Erfolgsrezept.
Verfolgen Sie ungelöste Probleme nach der Arbeit?
Was mich am meisten belastete, waren Kündigungen. Das kam zum Glück nicht oft vor. Nach unserem grossen Wachstum 2016 musste ich rasch viele Leute einstellen. Doch ich engagierte auch Mitarbeiter, von denen ich mich bald wieder trennen musste.
Wie steht es um Ihre Work-Life-Balance?
Ich reduziere meine Arbeit. Letztes Jahr hatte ich ein 80-Prozent-Pensum, dieses Jahr nur noch 40 bis 60 Prozent. Ich möchte mehr Zeit für andere Dinge haben als für die Arbeit.
Was ist Ihr Lebensmotto?
Ich achte auf Offenheit, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit. Ich habe grosses Vertrauen in den Menschen.
« Meine Hilfsbereitschaft ist sehr gross, nicht immer zum Vorteil. »
Werner Studer, Steco AG
Welche Persönlichkeit würden Sie gerne treffen?
Ich suche keine Vorbilder.
Worüber ärgern Sie sich?
Mit rücksichtslosen und selbstherrlichen Menschen habe ich Mühe.
Worüber freuen Sie sich?
Ich laufe mit offenen Augen durch die Natur. Ich entdecke dann viel, was mich freuen kann. Mich faszinieren zudem Wolkenbilder.
Wo liegen Ihre Stärken?
Ich kann gut zuhören und habe keine Vorurteile gegenüber Menschen. Ich kann auch recht gut etwas differenziert beurteilen.
Und Ihre Schwächen?
Ich habe Mühe, Nein zu sagen. Meine Hilfsbereitschaft ist sehr gross – nicht immer zum Vorteil. Kürzlich rief mich jemand um 19.30 Uhr an und brauchte dringend Unterstützung. Ich gab der Person einen Termin am anderen Vormittag um 8 Uhr.
Zum Unternehmen
Die Steco AG in Effretikon ist eine Beratungsfirma für Stellencoaching und Arbeitsmarktintegration. Zur Zielgruppe gehören Menschen, die sich beruflich neu orientieren müssen oder durch längere Arbeitslosigkeit verunsichert sind. Werner Studer gründete die Firma 2007. Ab 2020 reduzierte er sein Arbeitspensum und ernannte Anna Hövelborn zur Co-Geschäftsführerin. Die Steco AG beschäftigt insgesamt acht Mitarbeiter. bf
Kochen Sie?
Ich koche grundsätzlich nicht, lediglich gefüllte Tomaten. Ich backe aber vorzügliche Torten. Mein Vater war Bäcker-Konditor. Er vererbte uns seine Tortenrezepte.
Viel Zeit vorausgesetzt: Was würden Sie gerne tun?
Mich im IT-Bereich fortbilden. Ich kenne mich schon recht gut aus, möchte mir aber noch mehr Kenntnisse aneignen. Meine Frau und ich reisen gerne. Bisher unternahmen wir alle zwei Jahre eine grössere Reise zum Beispiel nach Australien. Das möchten wir öfters machen.
Haben Sie Rituale?
Ich lege Gegenstände an denselben Ort, damit ich sie rasch finde.
Worauf sind Sie stolz?
Meine Frau und ich haben ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Töchtern und ihren Familien.
« Wenn ich ein Buch in die Hand nehme, dann Fachliteratur. »
Werner Studer, Steco AG
Welcher Lehrer ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
In der Sekundarschule hatte ich einen leichten Schnauzwuchs. Da sagte der Lehrer zu mir: « Studer, die Fasnacht ist vorbei, du kannst den Schnauz wieder abnehmen. » Derselbe Lehrer sagte ein anderes Mal: « Studer, aus dir wird nichts Gescheites. » Das belastete mich in dem Moment nicht, doch noch heute sind mir diese Aussagen im Kopf.
Wo verbringen Sie Ihre Ferien?
Meine Frau und mich interessieren der asiatische Raum, Australien und das Südtirol.
Mögen Sie Filme?
Ich schaue deutschsprachige Krimis.
Spielen Sie ein Musikinstrument?
Ich spielte einmal Gitarre, aber heute habe ich kein Instrument mehr. Bei Musik kann ich gut entspannen.
Was bedeutet Ihnen Kunst?
Es gibt gewisse Gemälde wie zum Beispiel die von Hans Erni, die mir gefallen.
Was lesen Sie gerade?
Ich lese überhaupt nicht gerne. Wenn ich ein Buch in die Hand nehme, dann Fachliteratur. Psychologie interessiert mich.
Was ist Ihr Lieblingsort im Zürcher Oberland?
Die Stadt Illnau-Effretikon und das angrenzende Gebiet gefallen mir gut. Auch am Pfäffikersee bin ich gerne.
Aufgezeichnet: Bruno Fuchs