Die Stunde unseres Lebens
Zeitumstellung
Zweimal im Jahr stellt sich dieselbe Frage: Gewinnen wir Zeit oder verlieren wir sie? Ein Plädoyer dafür, das Leben nicht auf die lange Bank zu schieben – erst recht nicht am letzten Sonntag im Oktober.
Der Tag hat, das wissen wir alle seit unserer Kindheit, 24 Stunden. Nur zweimal im Jahr stimmt das nicht. Nämlich dann, wenn wir jeweils die Zeit umstellen. Während uns im Frühling gefühlt eine Stunde geklaut wird, wenn wir die Uhr eine Stunde vordrehen, hat der letzte Sonntag im Oktober 25 Stunden, nämlich dann, wenn wir um 3 Uhr morgens die Uhr um eine Stunde zurückdrehen.
Dabei – ganz ehrlich: Geschenkt gibt es nichts. Nicht einmal Zeit. Denn eigentlich gibt man uns nur zurück, was uns ein halbes Jahr vorher genommen wurde. Aber nimmt man uns tatsächlich etwas weg beziehungsweise gewinnen wir etwas mit der zusätzlichen Stunde?
Genussvoll drehe ich jeweils am späten Samstagnachmittag schon alle Uhren (die noch manuell zurückgedreht werden müssen) eine Stunde zurück. Zufrieden pflanze ich mich anschliessend aufs Sofa und fröne der zusätzlichen Stunde – die ich meist mit Fernsehen, Schlafen oder Essen verbringe. Die Zeiten, als ich so eine Stunde länger im Club war, sind vorbei. Diese Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Schade eigentlich.

