Meinung

No öppis …

«Bro, ich han dänkt, du chasch das?»

Es heisst immer, die Jugend von heute tauge nichts. Dieser Satz ist so alt, wie er falsch ist.

«Bro, ich han dänkt, du chasch das?»

No öppis …

Es heisst immer, die Jugend von heute tauge nichts. Dieser Satz ist so alt, wie er falsch ist.

Da sass ich im Schatten meines Gewächshauses auf dem Balkon und genoss den sommerlichen Abend, lange bevor das generelle Feuerverbot galt, als ich plötzlich die verzweifelten Hilferufe von Kindern hörte. «Bro, ich han dänkt, du chasch das?» – «Hey! Lüt schnell dim Vater a und frög, wie das funktioniert!»

Ich konnte mir schon zusammenreimen, worum es ging. Denn kurz zuvor hatte ich beobachtet, was die vielen Jungs aus meiner Nachbarschaft – alle zwischen 9- und 15-jährig – vorhatten. Voller Elan hatten sie Würste, Fleisch, Kartoffeln, einen Grill und Kohle herbeigeschleppt. Die dachten sich wohl: «Geil, grilliere!» Die Kohle hatte jedoch andere Pläne.

Was genau sie beabsichtigte, weiss ich nicht. Auf jeden Fall wollte sie nicht brennen. Das trieb die Buben aus meiner Siedlung nicht nur zur Weissglut, sondern eben auch in eine abgrundtiefe Verzweiflung. Da ich meinem Vater grob geschätzt eine Trillion Mal beim Grillieren zugeschaut hatte, fühlte ich mich in meinem Metier.

Um den Jungs ein paar Tipps zu geben, beugte ich mich über mein Balkongeländer. Doch bevor ich etwas sagen konnte, schaute mich einer von ihnen mit seinem Welpenblick an und rief: «Si! Chönd Si bitte abecho und öis helfe?!» Wie hätte ich da Nein sagen können. Ganz lässig schlurfte ich zur zehnköpfigen Gruppe runter und übernahm den Posten.

Kohle ist ja wirklich etwas problematisch, denn so schnell brennt die eben nicht. Holz ist der viel angenehmere Partner. Ich selbst stand ja auch schon hoffnungslos vor meinem Kugelgrill und dachte: «Jetz Gopfertelli bränn doch mal!» Aus diesem Grund hatte ich mir einen grossen Vorrat an Zündwolle zugelegt.

Ich stattete den Grill gut mit meiner Wolle aus. Aber auch ich hatte Mühe, eine verlässliche Glut zu entfachen, während mich die Gruppe erwartungsvoll ansah. Dennoch wollte ich mir nichts anmerken lassen. Ich musste wiederholt hoch, um mich erneut mit Zündwolle zu bewaffnen. Die Buben sahen nicht nur hungrig aus, sondern auch etwas irritiert über die Frau, die versuchte, sich im Hello-Kitty-Shirt als Grillmeisterin zu beweisen.

Irgendwann fand ich es dann endlich angebracht, das gelungene Feuer den jungen Männern zu überlassen. Ich bestellte einen Bub zu mir und erklärte ihm, was er fortan tun müsste. Danach verabschiedete ich mich und lehnte die Kartoffeln, die sie mir so liebenswürdig angeboten hatten, dankend ab.

Zwei Wochen später. Erneut gönnte ich mir die letzten Sonnenstrahlen des Abends, als ich nicht nur einen fantastischen Duft wahrnahm, sondern auch ein Brutzeln und Zischen. Ich beugte mich über meinen Balkonrand und entdeckte die Jungs vor einem vollbepackten Grill mit glühender Kohle.

«Händ er das ganz ällei gschafft?», fragte ich neugierig. Aufgeregt erzählte mir einer, dass er nun auch «so Azünddinger» benutzt habe. Er lächelte, ich lächelte, und alle anderen lächelten auch. Dieser Moment erfüllte mich mit Stolz. Denn die Jugend von heute ist nur so nichtsnutzig, wie wir Erwachsene sie erziehen. Und ich bin ganz sicher kein Nichtsnutz.

In unserer Kolumne «No öppis …» machen wir uns Gedanken über die grossen und kleinen Dinge des Lebens – und teilen diese mit Ihnen.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.