Ein Hoch auf die Freundschaft – oder ein Rezept gegen Einsamkeit
No öppis …
Einsamkeit ist grausam. Das weiss Redaktorin Bettina Schnider aus eigener Erfahrung. Und sie weiss heute: Freundschaften können Leben verändern.
Es war eine Warnung von höchster Stelle: Weltweit fühlt sich jeder sechste Mensch einsam. Das bleibt nicht ohne Folgen. Einsamkeit belastet nicht nur die Seele, sondern auch den Körper – sie steht laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit rund 100 Todesfällen pro Stunde in Verbindung, also mit mehr als 870'000 Todesfällen pro Jahr.
Einsamkeit, das ist keine lustige Sache. Das weiss ich aus eigener Erfahrung. Ich habe mein Studium in der Corona-Zeit abgeschlossen. Kurze Zeit später zog ich in eine neue Stadt. Und in dieser Zeit habe ich mich auch sehr einsam gefühlt – und hoffnungslos. Doch zum Glück sind diese Zeiten vorbei.
Denn gegen Einsamkeit, das weiss ich ebenfalls aus eigener Erfahrung, hilft kein Trübsalblasen. Ich habe Gruppen und Anlässe gesucht, die meinen Interessen entsprachen, und so schnell neue Freundinnen und Freunde gefunden. Ja sogar meine beiden besten Freundinnen, mit denen ich eine sehr tiefe und emotionale «Freundinnenschaft» pflege.
Es sind diese Beziehungen, die alles für mich bedeuten. Und ich weiss jetzt, auch wenn mir viele Leute widersprechen werden: Man kann auch mit Ende 20 und Anfang 30 noch neue Freundinnen und Freunde finden.
Auf Social Media gibt es viel Content über Einsamkeit. Mit vielem davon kann ich mich identifizieren – und ich fühle mit den Betroffenen mit. Einsamkeit ist grausam, und ich weiss, dass es nicht für alle gleich einfach ist, Anschluss zu finden. Kritisch werde ich dort, wo Einsamkeit fast ausschliesslich den «anderen» zugeschrieben wird. Erst recht, wenn Leute das Ende der Einsamkeit einzig und allein in einer romantischen Beziehung suchen.
Manchmal werden Frauen pauschal für die Einsamkeit einzelner Männer verantwortlich gemacht. Teils werden haarsträubende Gründe vorgeschoben, wieso doch die «anderen» schuld an der eigenen Misere sind.
Dass solche Tendenzen gefährlich sind, ist hinlänglich bekannt. Ich will auch nicht über negative Einzelfälle oder Straftaten sprechen. Ich kann mir vorstellen, dass es schwierig ist, aus einer solchen hasserfüllten Negativspirale herauszufinden.
Aber ich bin mir sicher, es ist möglich. Und ein wichtiger Schritt dazu ist in meinen Augen, Freundschaften viel höher zu gewichten und nicht alles auf die Karte «romantische Beziehung» zu setzen. Wir alle haben ganz verschiedene Beziehungen zu Menschen. Und die brauchen wir, sagt sogar die WHO. Und damit: Ein Hoch auf die Freundschaft!
In unserer Kolumne «No öppis …» machen wir uns Gedanken über die grossen und kleinen Dinge des Lebens – und teilen diese mit Ihnen.
