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No öppis…

Wie mich eine Fehlermeldung zur Zen-Meditation zwingt

Warum ist das Wasser in der Stadt am Wasser so kalkhaltig? Wie mich diese bröckelnd-steinerne Ambition fast an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt.

So halten mich Kalk und meine Waschmaschine auf Trab. Ich habe ja sonst nichts zu tun.

Fotos: Simon Grässle und Pixabay

Wie mich eine Fehlermeldung zur Zen-Meditation zwingt

No öppis …

Warum ist das Wasser in der Stadt am Wasser so kalkhaltig? Wie mich diese bröckelnd-steinerne Ambition fast an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt.

Was mich zurzeit beschäftigt, beginnt ganz banal. Beim Wasser. Genauer: beim kühlen Nass in meiner Stadt, die sich stolz Stadt am Wasser nennt. So schön der Greifensee ist, das Wasser in Uster ist kalkhaltig.

So kalkhaltig, dass man beim Putzen direkt Kreide an die Wand schmieren könnte. Oder dass man irgendwann wie Kreide daran zerbricht und aufgibt, den Kalk von den porösen Badezimmerkacheln schrubben zu wollen.

Auch unser Boiler leidet. Er kämpft sich tapfer durch seine Kalkschichten wie auf einer alpinen Etappe Richtung Dufourspitze. Bezahlen tue ich es am Ende. Denn je mehr Kalk, desto mehr muss er aufheizen. Desto höher die Stromrechnung. Falls Sie auch aus Uster sind: Wie viel bezahlen Sie eigentlich pro Monat?

Und dann beschloss auch noch unsere Waschmaschine, dass es Zeit für Drama wäre. Stoisch leuchtete die Fehlermeldung «Service rufen F0». Natürlich dachte ich sofort: Kalk. In dieser Wohnung ist Kalk ja nie weit. Ein Fall für die Hotline.

Dort: 15 Minuten Warteschlaufe. Dann weitere 10. Schlimme Musik, jedoch kein Trost. Stattdessen alle 30 Sekunden eine Stimme, die mir versichert, dass ich mich genau dort befinde, wo ich nicht sein will.

Endlich komme ich durch. Ich juble innerlich. Aber nicht lang. Denn die Ernüchterung folgt sofort: Die lebenslange Garantie gilt nur für den Zen-Motor.

Zen? Aha. Geduld wäre wohl angebracht. Kalk braucht ja auch Zeit.

Eine Woche später kommt der Servicetechniker. Ein Walliser. Freundlich, aber er murmelt mehr, als dass er spricht. Ich verstehe etwa jedes dritte Wort. Nach einer Weile Rumwuseln präsentiert er mir den Übeltäter: eine Haarklammer. So eine, wie meine Grossmutter sie getragen haben könnte. Sicher nicht von mir.

Dennoch will er wissen, ob ich die Waschmaschine ab und zu entkalke. Hm, ich schaue etwas betreten auf meine Fussspitzen. Jetzt murmle auch ich und fasle ein «Jein».

Die Maschine läuft wieder – theoretisch. Praktisch sei noch ein Teil beschädigt. Ein Schlauch. Ein Loch. Drei Waschgänge vielleicht. Walliserdeutsch ist weniger eine Sprache als ein Vertrauensvorschuss. So viel verstehe ich aber: Es müsse nochmals jemand vorbeikommen.

Eine Woche später stehen sogar zwei Servicetechniker parat, diesmal, um den Schlauch zu ersetzen. Freundlich. Gründlich. Das dachte ich zumindest.

Aber als ich das nächste Mal waschen will, drehe ich komplett am Rad. Diesmal spinnt die Elektronik. Nichts geht mehr über 30 Grad. Kein Programm läuft länger als 35 Minuten.

Vielleicht ist das eine unfreiwillige Energiesparmassnahme, denke ich. Asketisches Waschen. Weniger Hitze. Weniger Zeit. Weniger Erwartungen. Mehr Zen. Oder einfach die kalkhaltige Version davon?

Leben in einem 200-jährigen Haus, das hat seinen Preis. Kalk in den Leitungen, Geduld im Herzen. Dafür freue ich mich schon auf den Frühling. Dann kann ich meine innere Kräuterhexe freilassen. Thymian, Oregano und Lavendel lieben ja kalkhaltige Böden. Besonders Lavendel. Zudem beruhigt er die Nerven.

Und die Waschmaschine kann ja in der Zwischenzeit bei 30 Grad meditieren. Umhüllt von einer feinen, weissen Schicht Gelassenheit.

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