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Das Gesetz der Mässigung

Redaktor und Skandinavien-Fan Noah Salvetti hat jüngst das Geheimnis der eigenwilligen, aber sympathischen nordischen Mentalität entdeckt.

Die Skandinavier leben Mässigung. Ob das an der Natur oder doch an inoffiziellen Regeln liegt? (Symbolbild)

Foto: Pixabay/leninscape

Das Gesetz der Mässigung

Tösswegs

Redaktor und Skandinavien-Fan Noah Salvetti hat jüngst das Geheimnis der eigenwilligen, aber sympathischen nordischen Mentalität entdeckt.

Seit ich vor sechs Jahren zum ersten Mal nach Schweden gereist bin, haben mir die skandinavischen Länder ganz schön den Kopf verdreht. Doch bin ich weder Wanderfüdli noch Jäger oder habe genügend Mittel für ein herziges rotes Schwedenhäuschen. Was ist es also, was mich an ihnen derart fasziniert?

Ein nicht unwichtiger Teil davon dürfte der Faktor Mensch sein. In einem Sieben-Seelendorf in Nordschweden, eine Autostunde vom nächsten Supermarkt entfernt, habe ich gelernt: Die Menschen sind reserviert, aber ohne dieses skeptische, leicht urteilende «Gschmäckli», das ich Herrn und Frau Bünzli attestieren würde.

Sie nehmen sich nicht wichtiger als andere, verlieren meist nicht viele Worte, sind aber trotzdem zugänglich. Dass das Teil der skandinavischen DNA ist, lernte ich erst viel später. Und das Gen hat sogar einen Namen. In Schweden: «Jantelagen», das «Gesetz von Jante».

Das Konzept stammt aus einem Roman des dänischen Schriftstellers Aksel Sandemose und ist in zehn – nicht wörtlich gemeinte – Gebote aufgeteilt. Dazu gehören: «Du sollst nicht denken, dass du etwas Besonderes bist», «Du sollst nicht glauben, dass du klüger bist als wir» und «Du sollst nicht glauben, dass du zu etwas taugst».

In Blogs und Artikeln zum Thema wird die Idee des «Jantelagen» auch als eine Art kollektive Bescheidenheit oder «skandinavische Selbstzügelung» beschrieben. Zwar ist das Konzept nicht unumstritten und lebt von einer gewissen Widersprüchlichkeit, war es doch vom Urheber als Kritik an sozialen Zwängen und Konformitätsdruck angedacht. Darüber hinaus gibt es verwandte Konzepte wie «Lagom» (schwedisch in etwa: «Genau richtig»), ein Schlagwort für ein Leben in Ausgeglichenheit.

Gedenktafel an Wand
Im dänischen Nykøbing Mors hängt diese Gedenktafel zu Ehren des Schriftstellers Aksel Sandemose. Aufgeführt sind darauf die 10 Regeln des «Gesetzes von Jante».

Egal, wie man dazu steht, diese Einstellungen haben die skandinavische Gesellschaft geprägt. Wer genau hinsieht, erkennt die Parallelen im nordischen Staatsaufbau, der stark auf Gleichstellung und Wohlfahrt setzt und das Kollektiv betont. Diese Faktoren werden wiederum oft als Gründe für die hohe Zufriedenheit der Skandinavier in entsprechenden Umfragen angeführt.

Wir sollten uns hierzulande vermehrt daran orientieren. «Ellebögle» und Konkurrenzkampf gibt es sonst schon genug. Warum nicht mal bewusst in Mässigung üben? In der von Hektik und Gier getriebenen Zeit zwischen Black Friday und Weihnachtszeit vielleicht umso mehr einen Versuch wert.

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