Ich stand hinter der Balken-Bar: Eine neue Perspektive auf den Uster Märt
Einer der abendlichen Hotspots am Uster Märt ist der Balken. Dieses Jahr stelle ich mich der Herausforderung, helfe hinter der Bar mit und bediene am berüchtigten Donnerstagabend die feierwütige Menge.
Der Uster Märt findet am Donnerstagabend auf einigen Metern Höhe über der Seestrasse seinen Höhepunkt: Jedes Jahr strömen Besucherinnen und Besucher in das Holzgerüst, das von der Zimmerei Schindler und Scheibling aufgebaut wird.
Während die Nacht einbricht und es auf den Gassen leer wird, füllen sich die Festwirtschaften. Besonders im Balken geht es dann rund – und mittendrin sind die Zimmermänner, die für einmal keine Nägel einschlagen, sondern Longdrinks und Bier ausschenken.
Unter ihnen stehe ich: Normalerweise Redaktorin für die Zürcher Oberland Medien, für einmal aber Mitglied des Bar-Teams – ohne Gastronomie-Erfahrung.
Trügerische Ruhe
Nachmittags ist die Stimmung im Balken noch gediegen. Kaffee und Ländlermusik. Doch der Schein trügt: Abends wird es so rappelvoll, dass der Boden über der Seestrasse zu beben beginnt. Dennoch bin ich zuversichtlich. Mit einer guten Portion Selbstvertrauen will ich in wenigen Stunden alteingesessene Balken-Besucher und Büetzer-Buebe bedienen.
Um 20 Uhr beginnt meine Schicht. Der Balken füllt sich, dennoch habe ich genügend Zeit, mich mit der doch nicht ganz so leichten Bierzapfmaschine auseinanderzusetzen (man muss die Becher schräg halten, wie ich nach mehreren Bechern Bierschaum begreife) und das Getränkeangebot zu studieren.


Ich hoffe, dass weder Kafi Luz noch Fröschli bestellt werden. Doch: Die Fröschli, bestehend aus einem Pfefferminzteebeutel, 4 cl grünem Wodka und heissem Wasser, sind unter anderem die beliebteste Bestellung im Balken. Es sei mir also nicht vergönnt, mich bei meinem ersten Versuch hinter der Bar unbemerkt mit einfachen Drinks durchzumogeln. Doch zum Glück ist noch nicht ganz so viel los …
Das Highlight jedes Jahr
Doch dann kann man Schlag auf Schlag kaum noch einen Schritt vor der Bar tun. Lauter Schlager, dumpfe Bässe – zu Helene Fischers «Atemlos» und Stubete Gäng, Disco Pogo und Wackelkontakt feiern die Besucher. Biere, Shots und Longdrinks werden im Minutentakt bestellt. Ich werde angeblafft, weil ich die Preise nicht auswendig kann. Im Balken hat man kein Erbarmen mit Neulingen.
Derweil sind die Zimmermänner die Ruhe selbst. Die Profis stehen nämlich bereits seit mehreren Jahren hinter der Balken-Bar: «Ich arbeite seit sechs Jahren am Uster Märt mit, und es ist jedes Mal das Highlight vom Jahr», sagt Zimmermann Samir Pfister. Er ist 23 Jahre jung und geniesst die Abwechslung zur Baustelle, wo er sonst jeden Tag arbeitet.
«Es ist vor allem für die Lehrlinge attraktiv, hier zu stehen», so Pfister. Die Arbeit im Balken mache nämlich nicht nur Spass und man komme in Kontakt mit Kollegen und Uster-Märt-Besuchenden, sondern man erhalte auch einen guten Zustupf zum Lehrlingslohn. Neben dem Stundenlohn wird das Trinkgeld, das es kräftig in die Kasse spült, unter den Mitwirkenden aufgeteilt.
Eine Erfahrung für sich
Je später die Stunde, desto voller der Balken – doch mittlerweile kann ich sogar Fröschli und Kafi Luz servieren. Obwohl um 22 Uhr Schluss wäre, bleibe ich noch etwas länger. Um 22.45 ist dann aber wirklich fertig. Meine Füsse schmerzen, meine Ohren pochen. «Fürs erste Mal hast du dich ganz gut geschlagen», sagt Barchef und Zimmermann Jan Bänninger schmunzelnd.




Die zweieinhalb Stunden hinter der Bar fühlen sich an wie ein Arbeitstag. Obwohl ich mir einen gewissen Stress auch als Redaktorin gewohnt bin, bin ich ausgelaugt. Eine tolle Erfahrung, kein Zweifel – vor allem dank der Unterstützung meiner kurzzeitigen Kollegen und geduldigen Gästen.
Es ist eben doch nicht ganz so leicht, Drinks zu mixen, Preise auszurechnen und dabei auch noch schnell und sympathisch zu sein. Nächstes Jahr bringe ich etwas mehr Geduld mit in den Balken, wenn ich durstig auf mein Bier warte – als Gast, versteht sich.
