Ein Fass ohne Boden und eine zu optimistische Strategie
Optimismus ist gut und wichtig. Aber im Fall des GZO Spitals Wetzikon war zu viel davon der Anfang allen Übels. Die Gefahr ist zu gross, dass die Rechnung nicht aufgeht.
Wetzikon ohne Spital ist kaum vorstellbar. Seit 1871 gehört es zur Stadt, Zehntausende wurden hier geboren. Es ist eine Institution, an der man hängt. Doch die Lage ist desaströs, die Zukunft düster, allen Versprechungen und Hoffnungen zum Trotz. Die finanzielle Schieflage hat zudem Geschichte, nicht erst seit dem verhängnisvollen 170-Millionen-Kredit von 2014.
Auch das Spital Rüti scheiterte einst an teuren Umbauten und Sanierungen, trotz Fusionsversuch mit Wald. Die Kostenexplosion führte vor 25 Jahren zur vorzeitigen Schliessung. Wetzikon plante daraufhin den Ausbau. Doch schon damals kam es zum Eklat: Die Stimmberechtigten der Regionen Bauma, Rüti, Wald und Wetzikon beschlossen 1999 den Zweckverband GZO, wissend, dass der Akutbereich in Wetzikon konzentriert würde. Die nötigen Investitionen wurden auf 10 bis 12 Millionen Franken beziffert, später auf 15,6 und kurz darauf auf 30,7 Millionen erhöht. Die Gesundheitsdirektion warf dem GZO mangelnde Transparenz vor; die Abstimmung im November 2000 musste abgesagt werden.
2014 folgte das eigentliche Schicksalsjahr: Die Sanierung und Erweiterung fast vollständig mit Fremdkapital zu finanzieren, war ein grosses Risiko und unverantwortlich. Das Geld reichte nicht, weitere Kredite wurden aufgenommen. Am Ende türmten sich 230 Millionen Schulden – und der Neubau ist bis heute nicht fertig. Die Mittel verpufften, allein 50 Millionen flossen in Zinsen. Auch die neuen 50 Millionen der Gemeinden würden vor allem in den laufenden Betrieb fliessen, und bereits steht der nächste Kredit im Raum. Es ist ein Fass ohne Boden.
Der neuen Führung kann man wenig vorwerfen, sie versucht das Beste. Doch ihre Strategie ist problematisch: Der Businessplan baut auf zu optimistischen Annahmen auf und stützt sich allen Prognosen zum Trotz zu stark auf die stationären Fälle. Und auch auf der Kostenseite ist viel Hoffnung dabei. Das GZO rechnet mit einer Personalquote von unter 60 Prozent im Jahr 2035. Das ist eine Zahl, die wohl nur schwer erreichbar ist. Die Personalquote in Schweizer Spitälern liegt bei 64 bis 70 Prozent. Selbst wirtschaftlich starke Häuser kommen kaum unter 62. Und die Prognosen zeigen in die andere Richtung. Gleichzeitig rechnet man mit einer Ebitda-Marge – also der Anteil des operativen Gewinns am Umsatz – von 8,1 Prozent im Jahr 2035. Nötig wären langfristig mindestens 10 Prozent.
Es sind zu viele Unsicherheiten im Spiel. Die 230 Millionen Schulden sind verloren, weiteres Kapital wäre nötig, um den Neubau fertigzustellen. Was danach folgt, weiss niemand.
Um die Patienten muss man sich kaum sorgen: Der Kanton wird Lösungen mit umliegenden Spitälern finden. Beim Personal bleibt die Hoffnung, dass der Fachkräftemangel – schweizweit rund 14’000 offene Stellen – den Schaden begrenzt.
Es wird schwierig und ist noch lange nicht ausgestanden. Am Ende bleibt die Frage: Will man ein Ende mit Schrecken – oder in einigen Jahren wieder am gleichen Punkt stehen?
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