Über Macht und Macher
Tribüne
«Macht» und «Macher»: zwei sehr ähnlich tönende Begriffe, die für völlig Unterschiedliches stehen. Und dennoch gibt es eine Verbindung, wie «Tribüne»-Autor Andreas Juchli erläutert.
Zum Autor: Andreas Juchli ist FDP-Kantonsrat und wohnt in Russikon.
Wir leben in einem tollen Land, und uns Menschen in diesem Land geht es sehr gut. Diese Aussage konterkariert mit dem Bild, welches medial verbreitet wird. Darin lesen wir von «Chaos» oder von «Gespaltenheit». Wer prägt diese Bilder? Jene, welche sich so politisch äussern, und jene, welche diese Äusserungen verbreiten.
Als liberal denkender Mensch und Unternehmer vergleiche ich politische Debatten und Meinungsäusserungen in den Medien gerne mit meinen Erfahrungen in Militär, Vereinen und im eigenen Unternehmen. Auch dort gibt es Streit, weil um Positionen gestritten wird. Und auch dort gibt es Chaos, weil in eine neue Situation erst Ordnung gebracht werden muss. Aber nie hatte ich den Eindruck, man würde dort von «Chaos» oder «Gespaltenheit» sprechen.
Nicht von ungefähr werden die Begriffe «Macht» und «Macher» (selbstverständlich sämtliche Geschlechter inkludierend) gesellschaftlich ganz unterschiedlich gewertet. «Macht» wird mit Skepsis begegnet, «Machern» wird häufig Anerkennung für ihr Tun geschenkt. Als Macht bezeichnet man die Instanz, welche Einflussgewalt über eine Person hat. In der Schweiz sind wir in der glücklichen Situation, dass wir keine Machtballung haben bei einzelnen Personen, Verpflichtungen transparent und langjährig stabil sind (beispielsweise die Pflicht, Militärdienst zu leisten) und das Individuum vor Willkür geschützt wird.
Die «Macht» liegt in der direkten Demokratie in der Gesellschaft, welche sich geeigneter Instrumente bedient, um für die Gesellschaft Nötiges zu erledigen, beispielsweise den Rechtsstaat zu organisieren mit Legislative, Exekutive und Judikative. Dieses über Generationen entwickelte System hat in unserem Land erreicht, dass Sicherheit, Würde und persönliche Entfaltung individuell gewährleistet werden.
Wenn heute noch von Macht im Sinne der ungebührlichen Einflussgewalt gesprochen werden kann, dann erkenne ich derer drei. Die Einflussnahme von ausserhalb unserer Gesellschaft (beispielsweise durch einen politischen oder militärischen Aggressor), Polemiker und Medien, welche den Polemikern die Bühne bieten. Gegen die Macht von aussen schützen wir uns mit unseren Strukturen, gegenüber Polemikern und den sie verbreitenden Medien schützen wir uns, indem wir uns mit Ruhe und Gelassenheit unser eigenes Bild machen. Damit bleiben wir unseren Tugenden treu, tragen der Macht Skepsis entgegen und pflegen die Stärke, selbst Macher zu sein.
