Für eine sichere Stromversorgung
Tribüne
Nur mit erneuerbarer Energie lässt sich der Schweizer Stromkonsum kaum decken. Deshalb müsse man jetzt wieder das Thema Kernkraft diskutieren, findet «Tribüne»-Autor Paul von Euw.
Zum Autor: Paul von Euw ist SVP-Kantonsrat und wohnt in Bauma.
Im August verkündete der Bundesrat sein Vorhaben zur Pflichterfüllung der sicheren, sauberen und zahlbaren Stromversorgung in der Schweiz. Mittels seines direkten Gegenvorschlags zur Blackout-Initiative schlägt er der Bevölkerung die Abschaffung des Kernkraftverbots vor.
Vielleicht fragt sich nun der eine oder die andere: Weshalb dieser Schwenker? Hat doch der Bundesrat vor acht Jahren das Kernkraftverbot noch propagiert. Liegt es an seiner Zusammensetzung? Nein, die Parteien sind nach wie vor in gleicher Stärke in der Landesregierung vertreten. Sind es neue Erkenntnisse in seiner Energiestrategie 2050? Auch das ist nicht der Fall. Die Fachleute und der Bundesrat kennen seit den Netto-null-Diskussionen zum CO2 den sich anbahnenden Strombedarf infolge der Dekarbonisierung.
Nun, welche Eingebung hat dann zu diesem Umdenken bewogen? Es sind die Erfahrungen aus der Praxis der Stromproduktion. Wind- und Sonnenstrom sollen es richten. Hochalpine Solaranlagen seien unsere Retter, und Windkraftanlagen würden zu einem beachtlichen Teil zur Stromversorgung beitragen. Notabene für den doppelten Strombedarf im Jahr 2050 infolge des CO2-netto-null-Ziels.
Die Realität kommt nun doch langsam in den Vordergrund. Von den 34 Projekten im «Solarexpress» werden lediglich vier Projekte ausgeführt. Die Energieproduzentin Axpo reduziert die Stromerwartungen von diesen Anlagen um 92 Prozent von 10 auf 0,8 Terawattstunden. Auch das Hoffen auf Windkraftanlagen hinkt: Mit einem durchschnittlichen Wirkungsgrad von 17 Prozent von Windkraftanlagen kann der dringend benötigte Strom auch nicht zur Verfügung gestellt werden.
Die sogenannten nachhaltigen, so hochgelobten Energieproduktionen versagen also. Hingegen verkündete die Axpo, als immerhin grösstes schweizerisches Stromversorgungsunternehmen, im vergangenen Frühling, es brauche nun Gaskraftwerke zur Sicherung der konstanten Schweizer Stromversorgung. Ganz in der Manier: weg von Öl und Gas mithilfe von Öl und Gas. Dass hier etwas nicht stimmen kann, merkt ein Drittklässler.
Fazit: Unter Berücksichtigung dieser Fakten hat der Bundesrat die Kehrtwende im Thema Kernkraft aufgegriffen. Das Thema Kernkraft muss also wieder objektiv diskutiert und in die verschiedenen Energieversorgungsszenarien miteinbezogen werden.
