Zweite Landessprache in der Schule sinnvoll fördern
Französische Sprache als Schulfach – wann und wie, darüber gehen die Meinungen auseinander. «Tribüne»-Autorin Tina Deplazes plädiert hier unter anderem für Praxisnähe.
Zur Autorin: Tina Deplazes ist Mitte-Kantonsrätin und wohnt in Hinwil.
Anfang September wurde im Kantonsrat eine Motion zur Verschiebung des Einstiegs des Französischunterrichts auf den Eintritt der Sekundarstufe 1 anstatt bereits in der 5. Primarklasse debattiert. Damit soll ein grundlegendes Problem des heutigen Schulsystems angegangen werden: Ein grosser Teil der Kinder hat heute mehr und mehr Mühe, gleichzeitig die Grundkompetenzen in Deutsch und Mathematik sicher zu erwerben. Diese Defizite werden vielfach auf einen überfrachteten Lehrplan zurückgeführt, der Kinder im jungen Alter zunehmend überfordert.
Der etwas spätere Einstieg ins Französisch soll hier Abhilfe schaffen. Gerade sprachschwächere Kinder oder solche, die zu Hause wenig Förderung erfahren, profitieren von einem klareren Fokus auf die Basiskompetenzen in der Primarschule. Sie sollen nicht zusätzlich durch das Erlernen einer weiteren Sprache belastet werden, bevor sie ein solides Fundament in beispielsweise Deutsch und Mathematik aufgebaut haben.
Dazu kommt, dass Fachleute überzeugt sind, dass Jugendliche dank ihrer höheren kognitiven Reife und Sprachkompetenz die neue Fremdsprache auf der Sekundarstufe deutlich effizienter und nachhaltiger erlernen können. Dadurch soll nicht nur die Qualität des Unterrichts verbessert, sondern auch die Motivation der Schülerinnen und Schüler gestärkt werden. Der Vorstoss zielt somit auf eine Bildungspolitik, die realistischer, kindgerechter und stärker auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Lernenden ausgerichtet ist.

