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Wahlkampf ist das Salz der Demokratie – aber wer stellt sich zur Wahl?

Standpunkt-Autor Marcel Niederer weiss, was es bedeutet, bei Gemeindewahlen zu kandidieren. Und er will auch andere ermutigen, dies zu tun.

Wahltermine sind für Marcel Niederer wichtige Gradmesser.

Fotos: Simon Grässle/PD

Wahlkampf ist das Salz der Demokratie – aber wer stellt sich zur Wahl?

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Standpunkt-Autor Marcel Niederer war einst selbst Mitglied einer Gemeindebehörde. Und er will auch andere ermutigen, sich dieser Aufgabe zu stellen.

Autor: Marcel Niederer

Der Wahlzyklus im Kanton Zürich beginnt im nächsten März mit den Gemeindewahlen. Später folgen die kantonalen Wahlen mit Kantonsrat und Regierungsrat und schliesslich die Wahlen für unsere eidgenössischen Parlamentarier.

Diese Sequenz der Wahltermine entspricht auch der sogenannten «Ochsentour» der Politiker. Zuerst auf kommunaler Ebene, dann im Kanton und schliesslich auf Bundesebene. Dabei kann die Ochsentour Stationen in der Exekutive wie auch der Legislative umfassen. All diese Behördenmitglieder haben sich der Wahl gestellt. Und noch einige Personen mehr, welche nicht auserkoren wurden.

Unsere Demokratie lebt von diesem Wahlsystem. Teilweise direkt durch die Stimmberechtigten, teilweise delegiert an demokratisch gewählte Gremien, werden unsere öffentlichen Akteure durch die Wahl für ihre Aufgabe legitimiert.

Wir kennen keine Ernennungen durch eine allmächtige Person. Damit besteht für die Gewählten auch immer das Risiko, bei der nächsten Wahlrunde nicht wiedergewählt zu werden. Oder umgekehrt, die Wähler können bei ungenügender Leistung auch andere Personen wählen. «Wahltag ist Zahltag», heisst es dazu volkstümlich, und dies ganz zu Recht.

Durch die Abwahl sind Korrekturen möglich. Dieses Damoklesschwert zwingt alle Gewählten zur gewissenhaften Ausführung des Amtes. Damit ist nicht die juristisch korrekte Führung des Amtes, sondern nach dem Wunsch der Wähler gemeint. Und da kann es im Laufe der Amtsperiode auch zu Verschiebungen kommen.

Als Kandidierende sind dies alles Ungewissheiten. Lange ist es her, seit ich mich das erste Mal für die Rechnungsprüfungskommission zur Verfügung stellte. Dennoch erinnere ich mich an die vielen Fragen, die ich mir damals stellte: Habe ich das richtige Profil für dieses Amt? Vertrauen mir genügend Wähler? Kann ich die Aufgaben, falls gewählt, auch wirklich erfüllen? Wie funktioniert die Zusammenarbeit in der Kommission? Wäre es schlimm gewesen, nicht gewählt zu werden?

Bereits nach der ersten Zusammenkunft in der Kommission waren all diese Bedenken weggewischt. Dank der Unterstützung der FDP-Ortspartei konnte ich mich gut auf die Wahlen und die künftigen Aufgaben vorbereiten. Und auch die nachfolgenden Wahlgänge waren dann mit wesentlich weniger Fragen belastet.

Was war meine Motivation, mich der Wahl zu stellen? Es sind verschiedene Gründe. Zuerst einmal als Dienst an der Gemeinschaft. Für die Feuerwehr hielt ich mich ungeeignet, zudem mit einem Arbeitsweg von einer Stunde zu spät, um rasch verfügbar zu sein.

Der Einstieg in die Rechnungsprüfungskommission erschien mir gerade ideal. Beruflich hatte ich mich intensiv mit dem Rechnungswesen auseinandergesetzt. Das war mein Rucksack, den ich mitbringen konnte. Und der dritte Grund war, dass ich meine Wohngemeinde besser kennenlernen wollte.

Und es hat sich gelohnt. Die Gemeinde lernte ich von vielen Seiten her kennen, zu denen ich ohne Behördenamt keinen Zugang gehabt hätte. Mein Wissen im Rechnungswesen konnte ich einbringen und habe dennoch viel Neues dazugelernt.

Das öffentliche Rechnungswesen folgt nicht immer den betriebswirtschaftlichen Regeln, denn die öffentliche Hand verfolgt andere Ziele. Und dass ich wiedergewählt wurde, werte ich als Bestätigung für den Dienst an der Gemeinschaft.

Würde bringt Bürde heisst es im Volksmund. Damit ist nicht nur die zeitliche Belastung, welche mit einem Amt verbunden ist, gemeint, sondern auch die emotionale Ebene. Frust und Lust liegen manchmal nah beieinander. Manches scheint nur mühselig voranzugehen oder gar nicht möglich. Und manchmal wird man freudig überrascht. Heute würde man von Resilienz sprechen, die es in einem Amt braucht. Früher sprach man von einer dicken Haut, die es manchmal braucht. Und manchmal braucht es das feine Gespür, um richtig zu handeln.

Der Wahlzyklus beginnt wieder. Und damit dreht sich das Kandidatenkarussell. Die Ortsparteien und Interessengruppen sprechen mit bisherigen Behördenmitgliedern, sondieren mögliche Kandidierende. Sie können auch zusätzliche Informationen zur Verfügung stellen oder Kontakt zu bisherigen Behördenmitgliedern herstellen. Wer selbst Interesse hat, für den ist eine Ortspartei ein gutes Eintrittstor für ein Behördenamt. Das bestehende Netzwerk und die Unterstützung im Wahlkampf stehen so zur Verfügung.

Wahlkampf ist das Salz der Demokratie. Die Wägsten und Besten sollen obsiegen, wie es in einer alten Redensart heisst. Ein Überhang an Kandidierenden erlaubt den Wählenden eine Wahl. Wer stellt sich ihr?

Marcel Niederer ist pensioniert, aber immer noch passionierter Organisationsberater mit Freude an der Gemeindepolitik, Interesse am lokalen Geschehen und begeistert am gemeinschaftlichen Kochen, Reisen und Fotografieren.

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