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Wie sich 2005 und 2025 doch gleichen

Die Menschheit wird durch Optimismus vorangebracht. Das erfordert jedoch, sich auch mit Negativem auseinanderzusetzen, schreibt «Tribüne»-Autor Stefan Feldmann.

Ereignisse wie der Krieg gegen die Ukraine machen es schwer, optimistisch durchs Leben zu gehen.

Fotos: PD/EPA/Sergey Kozlov

Wie sich 2005 und 2025 doch gleichen

Tribüne

Die Menschheit werde durch Optimismus vorangebracht. Das erfordere jedoch, sich auch mit Negativem auseinanderzusetzen, schreibt «Tribüne»-Autor Stefan Feldmann.

Zum Autor: Stefan Feldmann ist SP-Kantonsrat und Ustermer Stadtrat und wohnt in Uster

Auf dem Bildungskanal der ARD wird täglich spätabends die «Tagesschau»-Ausgabe vor 20 Jahren gezeigt. Immer mal wieder schaue ich rein – als kleine Zeitreise sozusagen. Ich habe so nochmals den Aufbruch mit Glasnost und Perestroika in der Sowjetunion erlebt, den Zusammenbruch des Ostblocks, die deutsche Wiedervereinigung, die relativ unbeschwerten Clinton-Jahre in den USA, das Hoffnung machende Oslo-Abkommen zwischen Israel und der PLO. Aber auch das Auseinanderbrechen Jugoslawiens, den Genozid in Ruanda oder 9/11.

Im Moment kommen einem die «Tagesschau»-Themen sehr aktuell vor: Diskussionen über einen Abbau bei den Sozialwerken und Verschärfungen im Asylwesen. Ein US-Präsident, der ohne rechtsstaatliche Verfahren Menschen wegschliesst. Ein russischer Präsident, der Teile eines Nachbarlands besetzt. Ein Nahost-Konflikt, der immer wieder neu aufflammt. Wie sich 2005 und 2025 doch gleichen.

Vor drei Jahren habe ich an dieser Stelle für mehr Optimismus plädiert. Dass wir uns daran erinnern sollten, welchen Weg die Menschheit seit der Französischen Revolution, diesem Aufbruch in die politische Moderne, zurückgelegt hat. Dass die Welt seither Schritt für Schritt (und natürlich immer wieder mit Rückschlägen) demokratischer, freiheitlicher und sozialer geworden ist – bei Weitem nicht perfekt, aber doch besser als früher.

Ich muss zugeben: Dieser Optimismus wird zurzeit arg strapaziert. Auch bei mir. Der Ukraine-Krieg mit dem russischen Bombenterror lässt einen ratlos zurück. Genauso der Nahost-Konflikt, der immer weiter und immer schneller zu drehen scheint. Und wenn der US-Präsident dann auch noch die Motorsäge an die Säulen von Rechtsstaat und Gewaltenteilung in seinem Land legt, fällt es in der Tat schwer, optimistisch zu bleiben.

Was tun? Am wichtigsten scheint mir, dieser inneren Stimme – «ich kann es, ich will es nicht mehr hören» – nicht nachzugeben. Lösungen brauchen erstens informierte Menschen, im Kleinen hier in der Schweiz, aber auch im Grossen in der Welt. Und zweitens: Tragen wir hierzulande gemeinsam Sorge zu unserer Zivilgesellschaft. Engagieren wir uns – in der Politik, im Elternrat der Schule, im Verein. Denn nur eine starke Zivilgesellschaft kann sich gegen Autoritarismus und Ungerechtigkeit behaupten. Und dann bleibt der Optimismus weiter berechtigt.

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