Meinung

Tribüne

Veloweg oder Obst? Plädoyer für nachhaltiges Wachstum

Die Grösse des verfügbaren Kulturlandes wird durch die Zuwanderung beeinflusst. Deshalb muss man die Bevölkerungsentwicklung gut steuern, fordert «Tribüne»-Autor Daniel Wäfler.

Veloweg oder Obst? Plädoyer für nachhaltiges Wachstum

Die Grösse des verfügbaren Kulturlands werde durch die Zuwanderung beeinflusst. Deshalb müsse man die Bevölkerungsentwicklung gut steuern, fordert «Tribüne»-Autor Daniel Wäfler.

Zum Autor: Daniel Wäfler ist SVP-Kantonsrat und wohnt in Gossau

Die Diskussion um den Schutz von Kulturland wurde in den letzten Wochen um ein Kapitel bereichert. Im Gossauerriet soll ein Veloweg entstehen, wobei auch 33 Hochstammobstbäume weichen müssten. Neben 65 Hektaren für Feuchtgebiete und zig Hektaren für Gewässerräume und die Revitalisierung der Mönchaltorfer Aa kommt nun noch ein Veloweg.

Ich habe nichts gegen Velowege und auch nichts gegen Naturschutz, weiss aber um die Notwendigkeit von Nahrungsmitteln, und diese gilt es zu gewichten. Das Naturschutzkonzept des Regierungsrats stammt aus dem Jahr 1995 und ist gut gemeint. Der Natur etwas zurückgeben und nie wieder Krieg in Europa, das dürfte der Tenor gewesen sein. Hehre Ziele, welche weder die heutige Situation noch das Bevölkerungswachstum ab den Nullerjahren kannten.

Der Elefant im Raum ist das planlose Bevölkerungswachstum, welches nun immer mehr auf die streng regulierte Schweiz des Bau- und Umweltwesens trifft. Umweltschutz zu betreiben, ohne das Wachstum der wichtigsten Grösse zu regeln, ist verantwortungslos und lässt zum Schluss Umwelt und Bevölkerung verlieren.

Der Schutz des Bodens ist gut, aber die Jungen haben nun fast keine Chance mehr auf ein Eigenheim. Wird das Wachstum an der Quelle der Zuwanderung nicht lenkbar, dann sind fehlende Velowege bald die kleinsten Probleme, denn aufgrund der Wohnungsnot drohen andere.

Daher plädiere für eine nachhaltige Zuwanderung und habe auch Argumente. Seit dem Jahr 2000 ist die Bevölkerung in der Schweiz um 23,7 Prozent gewachsen und damit 18-mal schneller als jene in Deutschland. Bis 2050 wird es nochmals so viel Wachstum geben, wenn nicht das Ruder herumgerissen wird.

Übertragen auf das Kulturland, bedeutet dies einen Gesamtverlust von zirka drei Prozent seit 2000, jedoch einen Pro-Kopf-Verlust von fast einem Viertel, welcher der Zuwanderung geschuldet ist. Neben Wohnraum, Bildung und Wohlfahrt gilt es für die wachsende Bevölkerung auch die Versorgung zu gewährleisten.

Da die Energieproduktion tendenziell künftig auch mehr Fläche braucht, ist der Wert des Kulturlands nicht zu unterschätzen. Die Schweiz ist raumplanerisch näher an Liechtenstein als an den grossflächigen Nachbarn, die noch echte Freiräume haben.

Daher bin ich für Obst, aber auch für den Veloweg, wenn er denn auf bestehenden Wegen geführt wird. Doch aus Respekt für die Natur und kommende Generationen muss auch die Zuwanderung eine planbare Grösse werden.

Fehler gefunden?