Warum die Vogel-Strauss-Taktik der Schule Pfäffikon schadet
Kommentar zum Schulskandal in Pfäffikon
Die Schule Pfäffikon ignoriert im Skandal um die Trennung von einem schwulen Lehrer systematisch kritische Medienfragen. Damit kann sie vielleicht die Krise aussitzen – aber kein Vertrauen zurückgewinnen.
Und plötzlich war Pfäffikon in aller Munde.
Als wir im April 2024 publik machten, dass ein schwuler Primarlehrer im Schulhaus Obermatt zuerst von wertkonservativen Eltern gemobbt und dann von der Schulführung zum Abgang gedrängt worden war, war für die Schule Pfäffikon der Worst Case eingetreten.
Er führte unter anderem zum Rücktritt des langjährigen Schulpräsidenten, zur öffentlichen Verhandlung der Vorgänge, zu einem grossen Reputationsschaden und einer gesalzenen Rechnung von mehr als 120'000 Franken.
Nun, rund ein Jahr nach diesem Fiasko, hat sich abschliessend auch noch der Pfäffiker Bezirksratspräsident zu Wort gemeldet. Am Montag veröffentlichte und kommentierte Erkan Metschli-Roth (GLP) die Ergebnisse der Untersuchungen, die er im Rahmen einer Aufsichtsbeschwerde eingeleitet hatte.
Dabei fällt vor allem die Deutlichkeit auf, mit der er den Fall beurteilte, konkrete Fehlentscheidungen benannte und Akteure für verantwortlich erklärte (Schulverwaltung) oder freisprach (Lehrer, Schulpräsident).
Ins Zentrum stellt er als eigentlichen Initialfehler die Verletzung der Fürsorgepflicht: den Umstand, dass die Schulführung mit den renitenten Eltern in Verhandlungen trat – statt sie dafür anzuzeigen, dass sie ihre Kinder aus dem Sexualkundeunterricht genommen hatten.
Pikant ist dabei, dass die Schulpflege in ihrem Abklärungsbericht vom vorletzten Juni festgehalten hat, dass Metschli-Roth damals von einer Anzeige abgeraten hatte. Eine Behauptung, die der Bezirksratspräsident nun entschieden von sich weist.
Wie kann das sein? Ein solcher Widerspruch rund um die zentrale Weichenstellung in einem Fall, den es mit den richtigen Entscheidungen vielleicht nie gegeben hätte?
Diese Frage haben wir auch der Pfäffiker Schulpräsidentin Nicole Keller (FDP) gestellt. Die vormalige Vizepräsidentin hatte sich im Wahlkampf im Oktober 2024 in unseren Publikationen schliesslich ja noch wie folgt zitieren lassen: «Für die Stärkung des Vertrauens würde ich als Schulpräsidentin ein besonderes Augenmerk auf eine klare und adressatengerechte Kommunikation legen.»
Nun aber zeigt sich, was darunter für die Medien – und damit auch für die Öffentlichkeit – zu verstehen ist: Alle unsere Fragen mussten wir schriftlich einreichen. Zurück kam ein mehr oder weniger generelles Statement in vorsichtig formuliertem Juristenjargon. Die Frage zum angeblichen Rat des Bezirksratspräsidenten? Blieb unbeantwortet.
Übrigens ist es nicht nur uns so ergangen. Ein Redaktor der NZZ hat auf die exakt selbe Frage ebenfalls keine Antwort erhalten. In seinem Artikel nennt er dieses Verhalten: «kommunikatives Wegducken». Man kann es aber auch genauso gut als vertrauensschädigend klassieren.
Es hat angesichts ihres Wahlversprechens durchaus etwas Irritierendes, wenn die Schulpräsidentin derart defensiv kommuniziert. Doch der Blick zurück offenbart, dass sie damit einem Muster folgt.
Schon im Juni 2024 war der interimistische Schulpräsident ähnlich vorgegangen, als er sich im Zuge der Veröffentlichung des Abklärungsberichts der Schulpflege für Medienanfragen zur Verfügung gestellt hatte. Auch damals blieben mehrere elementare Fragen offen im Raum stehen.
Das wiederum legt den Verdacht nahe, dass damals wie heute externe Kommunikationsprofis im Hintergrund bereitstehen, um kritische Fragen zu entschärfen – und wenn nötig auch einfach zu ignorieren.
Ein solches Angebot zu nutzen, ist selbstverständlich legitim – insbesondere in Krisenzeiten. Ob allerdings die Schule Pfäffikon damit gut beraten ist, scheint nach den Erfahrungen, die sie im Fall Obermatt gemacht hat, fragwürdig.
Schliesslich ist der Bezirksratspräsident Erkan Metschli-Roth in seiner Untersuchung auch diesbezüglich zu einem klaren Schluss gekommen: «Die Krise ist entstanden, weil man zu wenig transparent war und Kommunikationsdefizite hatte.»
