Schattenseiten des Fussballs
Von Sprayereien bis zu schweren Gewaltdelikten: Die Straftaten von Fussballfans nehmen zu. Deshalb sei endlich konsequentes Handeln nötig, findet «Tribüne»-Autorin Andrea Gisler.
Fussball gehört in der Schweiz zu den beliebtesten Sportarten. Er zieht ein grosses, bunt gemischtes Publikum an. Für manche Fans ist Fussball ein wichtiger Teil ihres Lebens. Sie können nicht nachvollziehen, dass es Leute gibt, die sich nicht für Fussball oder überhaupt für Sport interessieren.
Auch wer mit Fussball nichts am Hut hat, kann sich ihm nicht entziehen. Weitab von Fussballstadien sind in der Agglomeration und in Dörfern Bushaltestellen, Strassenlaternen, Unterführungen und Hauswände verunstaltet mit Sprayereien und Klebern der beiden grossen Stadtzürcher Fussballklubs. Aber nicht nur die Sachbeschädigungen, auch die gewalttätigen Ausschreitungen haben zugenommen und sich vermehrt auf das Gebiet ausserhalb der Stadien verlagert. Einsatzkräfte der Polizei werden mit brennenden Fackeln, Steinen und Flaschen beworfen, unbeteiligte Personen werden angegriffen.
Was ist zu tun? Straftaten sind konsequent zu ahnden. Es ist deshalb zu begrüssen, dass die Kantonspolizei Zürich im Herbst 2024 die Taskforce Sport zur Bekämpfung von Kriminalität im Umfeld von Sportgruppierungen eingesetzt hat. Das sogenannte Hooligan-Konkordat muss umgesetzt werden. Wer sich an Gewalttaten gegen Personen oder Sachbeschädigungen beteiligt, soll ein Rayonverbot erhalten oder verpflichtet werden, sich während des Spiels auf einem Polizeiposten zu melden.
Umstritten ist, ob es sinnvoll ist, personalisierte Tickets für den Stadionzugang zu vergeben. Ich persönlich verstehe den Widerstand gegen eine solche Massnahme nicht. Personalisierte Tickets kommen bei vielen Grossveranstaltungen zum Einsatz. Warum dies bei Konzerten, Festivals und ähnlichen Events umsetzbar ist, bei Fussballspielen jedoch nicht funktionieren soll, erschliesst sich mir nicht.
Neben repressiven Massnahmen braucht es auch präventive Konzepte, um Gewalt und Kriminalität im Umfeld von Fussballspielen zu reduzieren. Fanarbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Förderung einer gewaltfreien Fankultur. Zentraler Bestandteil bei der Prävention ist auch die Jugendarbeit. Die Fans in den Fankurven werden immer jünger und suchen Zugehörigkeit, teilweise mit einer gefährlichen Radikalisierungstendenz.
In der Verantwortung stehen auch die Verantwortlichen der Fussballklubs. Statt sich klar von gewaltbereiten Fans zu distanzieren, lavieren sie. Sie verkennen, dass sich die Geduld der Bevölkerung, die Polizeikosten von mehreren hunderttausend Franken jährlich mittragen muss, langsam erschöpft.
