Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Meinung

Standpunkt

«Dolce far niente» im Alltag: Warum Pausen Raum für Ideen schaffen

Ruhezeiten entschleunigen den Alltag, schaffen Raum für Innovation – und lehren uns das süsse Nichtstun auch ohne Ferienreise zu schätzen.

Fotos: Pixabay/PD

«Dolce far niente» im Alltag: Warum Pausen Raum für Ideen schaffen

Ruhezeiten entschleunigen den Alltag, schaffen Raum für Innovation – und lehren uns, das süsse Nichtstun auch ohne Ferienreise zu schätzen. Das sind die Tipps von «Standpunkt»-Autorin Monika Di Benedetto.

Autorin: Monika Di Benedetto

Zweimal im Jahr scheint Ruhe in unser hektisches Leben einzukehren. Das gewohnte Leben steht in vielen Bereichen still, und genauso wie nach der Vorweihnachtszeit im Dezember ticken auch nach dem hektischen Abschluss des Schuljahrs die Uhren etwas langsamer.

Plötzlich ist es ruhiger, Restaurants haben geschlossen, Veranstaltungen finden kaum statt. So ist das auch bei uns in meiner Arbeitskirchgemeinde. Ich bin nicht nur Kirchenpflegepräsidentin von Turbenthal-Wila, sondern arbeite auch in der Administration der Reformierten Kirche Breite. Meist ist viel los bei uns, es summt und brummt wie in einem Bienenhaus, und alle versuchen, ihre Arbeit irgendwie zu schaffen.

Was manchmal eine Herausforderung sein kann, da vieles bei uns unvorhergesehen daherkommt. Das wiederum macht die Arbeit auch so spannend. Manchmal gleicht es einer Theateraufführung, der Vorhang geht auf, und man weiss nicht genau, was einen an dieser Stelle erwartet.

Deshalb ist es ganz schön, wenn zwischendurch ein bisschen Zeit für Ruhe und zum Aufräumen bleibt. Diejenigen, die am Arbeitsplatz bleiben, können sich endlich mal dem widmen, womit wir uns in der Kirche im Moment befassten sollten: Innovation.

Und Raum für Innovation kann nicht entstehen, wenn das tägliche Hamsterrad dreht. Dafür braucht es Freiraum, nur so kann einen die Muse küssen. Wobei ich ehrlicherweise gestehen muss, dass ich Arbeit und Freizeit gar nicht so genau trenne. Dies auch, weil ich so gern für die Reformierte Kirche arbeite – und auch meine sonstigen Aufgaben sind Herzensangelegenheiten.

Denn auch wenn ich in den Ferien weile, kann es sein, dass mir eine Idee für ein neues Projekt kommt. Deshalb ist es vielleicht besser, wenn ich nicht zu oft dem Müssiggang fröne. Denn mir bliebe ja für den Rest des Jahrs gar keine Zeit, mich all dem zu widmen, was da in der Ferienzeit in meinem Kopf so aufpoppt wie Popcorn in einer heissen Pfanne.

Ferienreisen sind ja tendenziell eher eine neue Begleiterscheinung, und der normale Durchschnittsbürger kann sich diese Extravaganz noch nicht lange leisten. Früher waren es Menschen der Oberschicht, die sich eine Auszeit nahmen. Auch wenn Menschen immer gewandert sind, um bessere Lebensbedingungen zu suchen oder um auf Pilgerreisen zu gehen.

Doch mit der Veränderung der Mobilität haben sich auch die Möglichkeiten geändert, und wir betrachten es zwischenzeitlich als unser gutes Recht, in der Weltgeschichte umherzureisen, wie es uns gefällt. Nicht selten ohne Rücksicht auf Verluste, wenn ich dabei an Umweltbelastungen und Übertourismus denke.

Aber natürlich reise auch ich gerne: möglichst oft in unser südliches Nachbarland, weil ich dort Kraft tanke und mit Reisen in den kälteren Zeiten des Jahrs meine Winterdepression unter Kontrolle behalte. Denn wie sagte Goethe doch schon so schön: «Nur wer die Sehnsucht kennt, weiss, was ich leide.»

Doch in der Zwischenzeit ist es mir ganz gut gelungen, dass ich meine Leidenschaft für Italien in meinem Alltag integriert habe. Darum muss ich im Sommer nicht zwingend weg, denn auf meinem Balkon duftet der Jasmin, und kulinarisch koche ich mich sowieso im Alltag durch die gepflegte süditalienische Landküche. Also habe ich mir mein Italien einfach in die Schweiz geholt.

Und das bringt mich auch zurück zur Frage, wie sich denn die Menschen früher eine Auszeit in ihr Leben geholt haben. In der Bibel steht, dass Gott am siebten Tag geruht hat. Und das versuche ich mir zu Herzen zu nehmen, denn ein bisschen «Dolce far niente» auch ausserhalb der Ferienzeit tut uns allen ganz gut. Denn mit der Hektik und dem Stress im Alltag ist es manchmal schwierig, genügend Zeit für Selbstfürsorge zu finden, und dabei ist dies so wichtig für uns alle.

Monika Di Benedetto ist zweifache Mutter und lebt in Turbenthal. Sie arbeitet im Sekretariat der Reformierten Kirchgemeinde Breite und als Doula-Geburtsbegleiterin. Zudem ist sie Präsidentin der Reformierten Kirchgemeinde Turbenthal-Wila.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns