Ruhe
Von Emanuele Omusoru
Vor Kurzem war ich für ein paar Wochen im Tösstal zu Besuch – Heimataufenthalt sagt man dem, wenn man in einem anderen Land im Einsatz ist und nach Hause kommt. Diese Tage sind gefüllt mit Besuchen von Familie, Freunden und Verwandtschaft.
Daneben gehören Treffen mit Partnerorganisationen und Spendern sowie Projektpräsentationen dazu. Eine volle Zeit also. Ich glaube, Sie können sich gut vorstellen, wie sich das anfühlt. Denn eines jeden Tage sind gefüllt mit Familie, Sitzungen und Präsentationen. Finde da mal noch Zeit für dich selbst.
Was für ein Glück, dass wir im Tösstal sein dürfen! Freunde aus höher gelegenen Gebieten wie Russikon würden sagen, dass man im Tösstal nur Nebel findet. Doch ich wage dem zu widersprechen. Ich lebe aktuell in Rumänien und bin auch sonst viel auf Reisen.
Wann immer ich ins Tösstal zurückkomme, spüre ich eines: Heimat. Ich mache die Spaziergänge von früher, ich wandere durch den Wald, den ich schon kenne, ich lasse die Sonnenstrahlen auf mein Gesicht scheinen, und ich finde etwas, das mir oft fehlt: Ruhe.
Wann haben Sie das letzte Mal Ruhe gefunden? Neben einem vollen Arbeitstag, Familie, Verein und Netflix-Serien – wo hat die Ruhe ihren Platz? Niemand würde sagen, wir brauchen keine Ruhe, doch das Problem hat Wilhelm Busch schon festgestellt, als er sagte: «Erquicklich ist die Mittagsruh, nur kommt man oftmals nicht dazu.»
In der Ruhe liegt die Kraft – so lautet es im Volksmund. Doch wer von uns hält sich daran? Montag bis Freitag wird gearbeitet, Samstag Haushalt gemacht und Sonntag gefüllt mit Gästen, Besuchen, Ausflügen – und schon ist wieder Montag.
Wo finden wir die Kraft? Oder sind wir vielleicht mehr ausgebrannt und ausgelaugt?
Wir haben in der Schweiz etwas Geniales aus der Bibel übernommen: den Sonntag. Ruhetag. Und ich fordere uns alle auf, zu diesem Ruhetag zurückzukommen. Es ist ein Wagnis, schliesslich «verlieren» wir viel Zeit dabei.
Doch die christliche Tradition und mittlerweile sogar die Wissenschaft zeigen uns die Wichtigkeit dieses Ruhetags auf. In der Ruhe liegt die Kraft. Vielleicht schaffen wir keine tägliche Erquickung in einer Mittagspause.
Doch schaffen wir eine wöchentliche Routine des Ruhens? Und glauben wir, dass wir darin Kraft schöpfen können? Ich bin überzeugt davon und versuche, es selbst immer zielgerichteter einzuplanen. Ein Tag in der Woche, der der Ruhe dient. Dem Kraft-Schöpfen.
Und das Beste daran: Danach hat man wieder viel mehr Energie für alle Herausforderungen des Alltags. Dieser Ruhetag sollte ein Schatz werden in unserer Woche, den wir kostbar finden und hochhalten, den wir schützen und den wir bewusst einplanen.
Gehen Sie mal wieder auf einen Spaziergang und machen Sie ihn so, als würden Sie ihn nach einer langen Auslandsreise endlich wieder einmal unternehmen können. Mit einer Vorfreude erfüllt, entdeckend mit einem grossen Bewusstsein für das Rundherum.
Nutzen Sie die Vorteile des Tösstals und entdecken Sie jede Woche aufs Neue, was die Natur zu bieten hat!
Emanuele Omusoru ist gelernter Fachmann Gesundheit Psychiatrie und in der Gemeinde Zell aufgewachsen. Seit 2024 lebt er in Rumänien und ist dort in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Gleichzeitig studiert er Theologie und arbeitet als Projektleiter.
