Platzregen
Von Eveline Rüegg
Wenn Wolken aufziehen, packen wir gerne einen Regenschirm ein. Damit wir vorbereitet sind, falls ein Wolkenbruch über uns stattfindet. Damit wir nicht nass werden. Vielleicht auch, damit die Frisur nicht ruiniert wird oder die neue Handtasche keinen Wasserfleck bekommt.
Wir bereiten uns auf den Ernstfall vor und sind gewappnet.
Bei der Trauer ist das anders. Auf diese wollen wir uns nicht vorbereiten. Mit diesem Thema wollen wir uns nicht auseinandersetzen. Über uns wird sicher kein Wolkenbruch sein. Es ist ja alles gut. Wozu also sollte man sich mit so etwas befassen? Man kann es ja auch übertreiben mit so «Seich». Trauer … Ha! Geweint haben wir schon als Kinder, was soll das Theater also?
Kann man sich darauf überhaupt vorbereiten? Ja. Durch das Aneignen von Wissen, das Befassen mit der eigenen Ansicht über Leben und Tod, das Bewusstsein der Vergänglichkeit und das Erlauben der Gedanken darüber können wir «einen Schirm einpacken», den wir bei einem möglichen Platzregen aufspannen können.
So können wir uns selber etwas Schutz bieten, damit wir nicht pflotschnass werden, wenn es so weit ist.
Eveline Rüegg ist diplomierte Trauer- und Sterbebegleiterin. Sie betreibt in Rikon ihre Praxis bambälälaa (www.bambälälaa.ch). In ihrer Kolumne «Truur-Eggä» will sie dem Thema Trauer Platz geben. Wer sich direkt mit ihr austauschen möchte, erreicht sie unter Telefon 076 559 96 26.
