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Wald – Licht in Dunkel

Ob sich die Beweidung im Zürcher Wald wieder verbreiten wird? Harry Brandenberger, Präsident von Pro Natura Zürich, ist optimistisch.

Wald – Licht in Dunkel

«Tribüne»

Lichte Wälder sind etwas Schönes. Damit es wieder mehr solche Gebiete gibt, kommen nun Ziegen zum Zug, freut sich «Tribüne»-Autor Harry Brandenberger.

Autor: Harry Brandenberger ist SP-Kantonsrat und wohnt in Pfäffikon

Seit jeher wurde der Wald von uns Menschen genutzt: Das Holz war ein wesentlicher Bau- und Werkstoff sowie wichtiger Energielieferant. Er war aber auch Weideland für Tiere und Nahrungsquelle: man denke nur an die Kastanienwälder im Tessin, die das «Brot der Armen» lieferte. Mit der stetig steigenden Zunahme der Bevölkerung stieg der Nutzungsdruck auf den Wald immer mehr, und grosse Flächen wurden abgeholzt, fast alle Wildtiere wurden ausgerottet.

Erst das Waldgesetz – nächstes Jahr feiern wir 150 Jahre seit der Einführung – hat die Bewirtschaftung stark reglementiert: nur so viel Holz durfte genutzt werden wie auch wieder nachwachsen konnte. Man kann die pionierhafte Rolle dieses Gesetzes nicht genug hervorheben: Es ist die Geburt der Nachhaltigkeit (auch wenn man es damals noch nicht so benannte). Die Folgen für die Schweiz sind unübersehbar. So hat sich die Waldfläche vergrössert, und es gibt keine grösseren Rodungen ohne Wiederaufforstung. Seither ist die Beweidung mit Nutztieren im Wald verboten.

Über Jahrtausende waren Pflanzenfresser wie Wisente, Hirsche oder Elche in den Wäldern unterwegs und es entstanden vielfältige Landschaften und Lebensräume. Diese Dynamik ist in den heutigen Wäldern nicht mehr vorhanden, die sogenannten «lichten Wälder» sind selten: bei ihnen kommt mehr Licht bis auf den Boden und liefert damit vielen Pflanzen und Kleinlebewesen ideale Bedingungen.

Hier setzt Pro Natura an: Auf begrenzten Flächen und mit Spezialbewilligung des Kantons werden Ziegen im Wald eingesetzt, um die Mäharbeit zu erledigen und junge Bäume und Sträucher tief zu halten, damit weiterhin genügend Licht am Boden ankommt. Seit diesem Jahr setzt Pro Natura im steilen Gelände bei Saland im Frühling und Herbst die genügsamen Tiere ein, um eines unserer Schutzgebiete zu pflegen (der ZO/AvU berichtete darüber). Sie fressen die Krautschicht unregelmässig ab – genau das richtige für viele Insekten und Kleinlebewesen. In rund fünf Jahren wird aus der pflegerischen Naturschutzweide ein typische Artengemeinschaft entstehen, wie sie schon vor Jahrtausenden in unseren Wäldern vorkam.

Wir bei Pro Natura sind gespannt, ob die Beweidung im Zürcher Wald sich wieder verbreiten wird – nicht nur für mehr Natur im Wald, sondern auch für das eine oder andere feine Geissenkäsli!

In der «Tribüne» äussern sich Oberländer Politikerinnen und Politiker, die auf lokaler, kantonaler und nationaler Ebene tätig sind, wöchentlich zu Themen aus Politik und Gesellschaft. Die darin wiedergegebene Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.

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