PFAS: Die unsichtbare Gefahr in unserem Alltag
Tribüne
Die «Ewigkeitschemikalien» PFAS sind ein grosses Problem für die Gesundheit der Menschen. Deshalb sollte etwas gegen die weitere Verbreitung der Stoffe getan werden. Das fordert «Tribüne»-Autorin Marionna Schlatter.
Autorin: Marionna Schlatter (GP-Nationalrätin, Hinwil)
Seit einigen Wochen gilt für einige Gemeinden im Elsass nahe der Stadt Basel, dass Hahnenwasser von Schwangeren, Kleinkindern und anderen verletzlichen Personen nicht mehr getrunken werden darf. Grund dafür ist die Belastung mit sogenannten Ewigkeitschemikalien namens PFAS. Das Kürzel PFAS meint diverse per- und polyfluorierte Alkylverbindungen. Diese Chemikalien werden in der Industrie breit eingesetzt, da sie über praktische Eigenschaften verfügen: Sie sind wasserabweisend und hitzefest. Man findet sie in Regenschutzkleidern und Bratpfannen, in Löschschäumen, und sie werden täglich mit Pflanzenschutzmitteln ausgebracht.
Die «Ewigkeitschemikalien» sind extrem langlebig, sie bauen sich in der Umwelt kaum ab und reichern sich so auch in der Nahrungskette an. Auch tiefere Belastungen, zum Beispiel im Trinkwasser, werden so zum Problem. Im Körper werden PFAS akkumuliert. Die Stoffe gelten als krebserregend, stören das Hormonsystem, schwächen das Immunsystem und stehen im Verdacht, auch bei Alzheimer eine Rolle zu spielen.
Nicht nur im Elsass, auch in der Schweiz spricht man zunehmend von diesen Problemen. Fische aus einheimischen Seen überschreiten die PFAS-Grenzwerte teils um ein Vielfaches, die Fischer bangen um ihre Zukunft.
Das Problem wird sich nicht von selbst lösen. Die Stoffe, die heute in der Umwelt sind, bleiben für eine lange Zeit und reichern sich an. Im Trinkwasser sind mehrere aufwendige Klärstufen nötig. Technisch gibt es aber noch keine einzige Aufbereitungsanlage in der Schweiz, die in der Lage ist, alle PFAS aus dem Wasser zu entfernen. Die Kosten für die technische Aufrüstung der Anlagen bezahlt die Allgemeinheit.
Die EU diskutiert ein Verbot. Die Schweiz aber tut, was sie am besten kann: Sie wartet ab und verzichtet teils bewusst auf Grenzwerte. Ich wünschte mir aber eine Politik, die unsere Gesundheit an erste Stelle setzt – und nicht die kurzfristigen Interessen der Industrie.
In der «Tribüne» äussern sich Oberländer Politikerinnen und Politiker, die auf lokaler, kantonaler und nationaler Ebene tätig sind, wöchentlich zu Themen aus Politik und Gesellschaft. Die darin wiedergegebene Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.

