Gutmenschen
«Tribüne»
Nicht nur reiner Fleiss, sondern auch Gutes zu tun, bringt uns alle weiter. Deshalb sollten wir mehr Gutmenschen sein, wünscht sich «Tribüne»-Autor Andreas Juchli.
Autor: Andreas Juchli, ist FDP-Kantonsrat und wohnt in Russikon
Die nur Sekunden dauernde Anfrage an Chat GPT, was Gutmenschen seien, bringt es auf den Punkt: «... Personen, die sich stark für soziale Gerechtigkeit, Toleranz und das Wohl anderer einsetzen. Manchmal wird der Begriff jedoch auch abwertend verwendet, um Menschen zu kritisieren, die als naiv oder übertrieben moralisch angesehen werden.»
Das persönliche Handeln lässt sich einteilen in Tätigkeiten, welche einfach erledigt werden müssen (beispielsweise die eigene Wäsche zu waschen oder am Arbeitsplatz eine Anfrage zu beantworten), in Handlungen zum persönlichen Vorteil mit oder ohne Nachteile für Dritte und in Tätigkeiten, die Gutes bewirken für Mitmenschen. Und gewöhnlich nehmen jene Tätigkeiten, welche eben einfach erledigt werden müssen, viel Platz ein in unserem Alltag, so dass wenig Raum für persönliches Wohl, geschweige denn gar für Gutes zu Gunsten Dritter verbleibt.
Der nüchterne Fleiss und das dosierte persönliche Wohlgefühl halten den gesellschaftlichen Motor am Laufen. Die Innovation aber, also die Erneuerung durch Zutun neuer guter Eigenschaften, «Gutes» eben, bringt uns effektiv weiter. John F. Kennedy (JFK) formulierte die berühmten, hier übersetzt wiedergegebenen Worte anlässlich seine Antrittsrede 1961: «Und deshalb ...: Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt. Meine Mitbürger in der ganzen Welt: .... fragt, was wir gemeinsam tun können für die Freiheit des Menschen.»
Gutes zu tun, gelingt, wenn wir uns bewusst vornehmen, Gutes zu tun. Im Kleinen, wenn wir für die sachliche Erledigung einer Aufgabe Lob und Dank aussprechen. Oder wenn wir einen Gefallen leisten, real oder im übertragenen Sinne eine Türe öffnen. Aber vor allem auch, wenn wir uns immer wieder bewusst vornehmen, Raum zu schaffen, ja, zu erkämpfen, nachhaltig Gutes zu leisten und dieses auch zu erreichen. Wenn wir dies tun, ohne direkten Nutzen daraus zu ziehen und ohne uns moralisch überhöht zu platzieren, dann handeln wir im Sinne JFKs, beziehungsweise nicht nur als Motoren, sondern auch als Innovatoren unserer Gesellschaft.
Gutes zu tun, Gutmenschen zu sein, ist essentiell, damit es uns allen langfristig gut geht. So wie die Innovation, das Hervorbringen von neuen guten Eigenschaften, essentiell ist für eine langfristig gut gedeihende Wirtschaft. Lasst uns doch nur schon damit beginnen, im Handeln Anderer das Gute zu sehen und ihnen dafür Wertschätzung und Dank auszusprechen.
In der «Tribüne» äussern sich Oberländer Politikerinnen und Politiker, die auf lokaler, kantonaler und nationaler Ebene tätig sind, wöchentlich zu Themen aus Politik und Gesellschaft. Die darin wiedergegebene Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.

