Keine radikalen Änderungen am bewährten Schulsystem vornehmen
Tribüne
Die Sekundarschule als Übergang ins Berufsleben oder ans Gymnasium erfüllt eine wichtige Funktion. Deshalb solle man daran festhalten, fordert «Tribüne»-Autor Benno Scherrer.
In der Sekundarschule machen die Kinder grosse Entwicklungsschritte. Sie werden von Primarschülern zu Lernenden in einem Betrieb und einer Berufsschule oder gehen nach der Sek ans Kurzzeitgymi. Die Lehrpersonen unterstützen die Schülerinnen und Schüler bei der Vorbereitung auf ihre Berufswahl oder ihre weitere schulische Laufbahn.
Traditionell ist die Sekundarschule in zwei oder drei Abteilungen eingeteilt. Zu meiner Schulzeit hiessen diese noch Sek, Real und Oberschule, seit 2005 spricht man von Sek A, B und C. Damals wie heute werden die Kinder in der 6. Klasse aufgrund der schulischen Leistungen, aber auch des Arbeits-, Lern- und Sozialverhaltens sowie des Entwicklungsstands einem Schultyp zugeteilt. Ziel muss es sein, dass jedes Kind in der Sek bestmöglich gefördert werden kann.
Aktuell steht dieses bewährte System aber von verschiedenen Seiten unter Beschuss. Erstens: Im Gemeinderat Uster wurde eine Neuorganisation der Sekundarschule verlangt. Mit einem Vorstoss wurde gefordert, die Selektion nach der 6. Klasse aufzuheben und statt der Abteilungen A, B und C neu leistungsheterogene Klassen und in bestimmten Fächern Anforderungsstufen einzuführen.
Das Volksschulgesetz gibt aber klar vor, dass mindestens zwei Abteilungen gebildet werden müssen. Eine Sekundarschule mit nur einer Abteilung und damit dem Verzicht auf eine Selektion nach der 6. Klasse widerspricht dem Gesetz. Die Sekundarschulpflege wäre dennoch bereit gewesen, zu prüfen, ob auf die Sek C verzichtet werden könnte und ob in den Fächern Mathematik, Deutsch, Französisch und Englisch, wie im Postulat angeregt, Anforderungsstufen eingeführt werden sollten.
Die Diskussion im Gemeinderat hat klar gezeigt, dass die Sekundarschule, wie sie ist, gerade auch mit der Selektion nach der 6. Klasse, in der Bevölkerung und der Politik gut verankert ist. Eine Mehrheit sagte klar, dass man keine Änderungen am bewährten System vornehmen soll.
Zweitens: Im Kanton Zürich werden aktuell Unterschriften für eine Volksinitiative «Selektionsfrei» gesammelt. Auch sie will die Sek von Grund auf umgestalten und die Selektion nach der 6. Klasse abschaffen. Falls die notwendigen Unterschriften bis im August zusammenkommen, wird die Diskussion, wie die Sek organisiert sein soll, im Kantonsrat weitergeführt werden. Ich bin überzeugt, dass auch im Kantonsrat eine klare Mehrheit keine radikalen Änderungen am bewährten System vornehmen will.
Für mich ist die Sek ein Erfolgsmodell. Die allermeisten Schülerinnen und Schüler finden eine für sie passende Lehrstelle oder bereiten sich im Berufswahljahr auf die Arbeitswelt vor. Und wer nach der Sek ins Kurzzeitgymi wechselt, hat danach alle akademischen Ausbildungsgänge zur Auswahl. Es braucht immer Anpassungen, aber keine Experimente.
Das letzte Wort wird das Volk haben. Ich bin überzeugt, dass die Stimmberechtigten ebenfalls an der bewährten Sekundarschule festhalten möchten.
In der «Tribüne» äussern sich Oberländer Politikerinnen und Politiker, die auf lokaler, kantonaler und nationaler Ebene tätig sind, wöchentlich zu Themen aus Politik und Gesellschaft. Die darin wiedergegebene Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.

