Von schnelleren Baubewilligungen, ÖV-Ausbau und Umgang mit KI
Tribüne
Politische Lösungen für drängende Themen finden: Das interessiert Jugendliche zuweilen wirklich. Eine Erfahrung, die «Tribüne»-Autorin Stefanie Huber während einer Projektwoche machte – und die sie begeisterte.
Lokaltermin in einer Zürcher Kantonsschule. Während einer Woche arbeiten die Maturklassen als Kantonsrat in Fraktionen und Kommissionen an parlamentarischen Vorstössen oder begleiten die Arbeiten live als Presseteam. Als Vertretung der grünliberalen Kantonsratsfraktion darf ich Red und Antwort stehen, was uns tatsächlich beschäftigt, wie wir uns zu gewissen Themen stellen und wie die Ideen der Maturandinnen und Maturanden bei mir ankommen.
Wir leben ja alle in unserer eigenen Bubble, darum sind solche Diskussionen wertvoll. In diesem Fall geben sie mir einen Einblick in die Welt der Jugendlichen: Was beschäftigt sie? Wo suchen sie Antworten oder Lösungen? Sie zwingen mich, kompakte und verständliche Antworten auf teilweise wenig eingegrenzte Themen zu finden («Wie hält es die GLP mit den Gender-Themen konkret?») oder in wenigen Sätzen die Probleme oder Lösungsansätze einzubetten und zu spiegeln.
Die Mitglieder der Kommission Sicherheit suchen beispielsweise nach Möglichkeiten, unser Nachtleben sicherer zu machen, fragen sich aber gleichzeitig, wer allfällige Massnahmen bezahlen muss, beispielsweise Weiterbildungen für die Mitarbeitenden in den Klubs. Eine Gruppe versucht, Lösungsansätze für den Mangel an bezahlbaren Wohnungen zu finden, an dem sich die Zürcher Politik aktuell die Zähne ausbeisst. Wobei die Jugendlichen mit «höher bauen» und «schnelleren Verfahren» tatsächlich Anliegen und Vorschläge aus dem Kanton aufnehmen. Für die Umweltkommission sucht man Anreize, um Autofahrende aus der Stadt rauszuhalten.
Wobei schnell klar wird, dass ohne ÖV-Ausbau und vielleicht auch ohne «Velo-Autobahnen» selbst die stärksten finanziellen Negativanreize nicht genügen werden. Die Gruppe Bildung setzt sich dafür ein, dass an den Schulen der Umgang mit künstlicher Intelligenz (KI), aber auch mit Fake News behandelt werden kann. Auch hier liegt sie nahe bei Kantonsratsvorstössen.
Die Analysefähigkeit der Jugendlichen, auf relevante Problemstellungen zu zielen, und ihre sorgfältigen Überlegungen zu grünliberalen Lösungsansätzen haben mich ehrlich begeistert. Auch wenn es nur eine Projektwoche ist: Gemäss einem Zitat aus der Nachbefragung «lernt man auch viel Nützliches für die Zukunft». Ich bin gespannt, welche Analysen und Vorschläge diese Jugendlichen in unsere Demokratie einbringen werden.
