Das Parlament Uster schaltet in den Wahlkampfmodus
Ufgschnappt
Mani Matter, Rechtsstaatlichkeit und eine Ode an die Vernunft: Der Gemeinderat Uster zeigt sich debattierfreudiger als auch schon. Und das hat seinen Grund.
Wenn Paul Stopper (BPU) sowohl die Grünen als auch den Stadtrat mahnt, zur Vernunft zu kommen, wenn aus Mani Matters Lied «Dene wos guet geit» zitiert wird und selbiger immer recht haben soll, wenn es um Rechtsstaatlichkeit geht, dann ist definitiv etwas los im Ustermer Parlament.
Selten hat man die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte in den letzten drei Jahren aller politischer Couleur so debattierfreudig erlebt. Da wurde spontan das Rednerpult angesteuert, emotional argumentiert. Die SP sprach von einem «Affront gegenüber städtischen Mitarbeitenden», als es um die Eindämmung des Personalaufwands ging. Die SVP schoss gegen den Stadtrat und prangerte «die vom Stadtrat gescheiterte Luxusvariante» an, als es um die Untere Farb und das Stadtarchiv ging.
Sogar der scheidende Stadtrat Cla Famos (FDP) bedankte sich an diesem Abend für «die engagierten und unterhaltsamen Voten». Auch wenn vielleicht die Vermutung naheliegt, dass sich alle auf den von Markus Ehrensperger (SVP) ausgerichteten Apéro am Ende der Sitzung freuten, so dürfte die bisweilen scharfe Redseligkeit eine andere Ursache haben: Wahlkampf.
Wer bringt sich wie in Stellung? Innerhalb der Fraktion? Innerhalb der Partei? Wenn es darum geht, die bestmögliche Ausgangslage für die Gemeindewahlen 2026 in gut einem Jahr zu ergattern.
Es wird spannend sein, zu beobachten, wie die Beteiligten in der nächsten Parlamentssitzung agieren, wenn voraussichtlich der Richtplan verabschiedet wird. Das allmächtige Planungswerk der Stadt ist bereits seit Jahren in Ausarbeitung. Wird der Richtplan für Wahlmanöver instrumentalisiert? Oder können die Parteien über ihren Schatten springen und Uster gemeinsam voranbringen? Eines ist sicher: Die langweiligen Zeiten im Gemeinderat Uster sind vorbei, der Wahlkampf hat begonnen.
