Warum Tiere Menschennamen tragen sollten
Tösswegs
Namen sind schon etwas Tolles. Praktisch nur schon, weil in meinem Fall «Hey, du mit der Brille» einfach auf zu viele Leute zutreffen würde. Man stelle sich nur die Nackenschmerzen nach einem derartigen Tag voller vergeblichen Kopfdrehens vor.
Dass es Sinn ergibt, einander Namen zu geben, wussten – mit dieser Recherche konnte ich aus Zeit- und Budgetgründen leider nur den KI-Historiker ChatGPT bemühen – bereits die Mesopotamier und Ägypter.
Obwohl ich nicht sicher bin, wie diese über die Praktikabilität von Vornamen urteilen würden, wenn sie wüssten, dass in der Deutschschweiz Kombinationen wie «Hans Müller» besonders häufig vorkommen.
So häufig, dass ihre Träger nicht ohne Weiteres voneinander unterscheidbar sind und es zusätzlich Übernamen wie «Schuelhus-Hans» braucht. Probleme, die einem «Jeremy Pascal» aus der Pseudodoku «Die Wollnys» fremd sein dürften.
Als Fan des Pragmatismus setze ich mich dafür ein, dass wir der Namensmisere dort ein Ende bereiten, wo wir die Handhabe dazu haben – bei Haustieren. Nur schon zwecks Gleichberechtigung bin ich dafür, dass wir bei der Namensgebung nicht länger zwischen Mensch und Tier unterscheiden.
Oder wollen Sie etwa tatenlos zusehen, wie der Katzengemeindepräsident bei der periodischen Revierversammlung durchdreht, weil sich sieben «Schnurrli» und zwei «Blackie» gleichzeitig zu Wort melden?
Mein Bruder und ich haben jedenfalls bereits im Kindesalter beschlossen, dass wir da nicht mitmachen. Unsere Katze selig hörte deshalb auf den Namen Steffy, benannt nach einem Mitglied der Super-RTL-Castingband Banaroo. Und um Fragen vorzugreifen: Ja, die Katze lebte länger als die Band.

Umso mehr erfreut es mich, dass ich bei diesem Anliegen die Landwirte an meiner Seite weiss. So liest man in Viehschauberichten regelmässig Menschennamen. Das Tösstal macht mit Sophie und Helene aus Neubrunn vor, wie es geht. In den Top Ten der «Hitparade der Schweizer Kuhnamen» zeigt sich das am Beispiel von Fiona, Bianca und Tina: Menschennamen sind dort äusserst populär.
Hoffen wir also, dass Haustierhalterinnen und -halter bald nachziehen. Meine Take-Home-Message: Ihr Hund oder Ihre Katze hat einen kreativeren Namen verdient als das tierische Pendant des «Hans Müller».
